Dienstag, 15. April 2008

Exil-Tibeter berichten von Verschleppung:
Chinesen nahmen hunderte Mönche in Haft

  • Menschen werden in Haft misshandelt und geschlagen
  • Chinesen meldeten Fund von Waffen in Klöstern

Die chinesischen Behörden halten die Klöster in Tibet seit dem Aufbegehren der tibetischen Bevölkerung vor einigen Wochen offenbar in eisernem Griff. In den letzten Tagen seien Hunderte Mönche inhaftiert worden, vor allem auch in den großen Klöstern im Umkreis der Hauptstadt Lhasa, wie Exil-Tibeter berichteten. Die Klöster seien komplett abgeriegelt und litten an schweren Versorgungsproblemen.

Zur Situation in den Klöstern heißt es in diesem Lagebericht aus der Autonomen Provinz Tibet, dass allein in Drepung 300 Mönche festgenommen und abtransportiert worden seien. Nur die alten und kranken Klosterinsassen seien zurückgelassen worden. Eine ähnliche Welle von Festnahmen habe es am darauffolgenden Tag im Kloster Sera gegeben, die Zahl der dort Festgenommenen ist nicht bekannt. Die Klöster Drepung, Sera und Ganden in Zentraltibet gehörten bis zu den Unruhen zu den meist besuchten Stätten des tibetischen Buddhismus, von tibetischen Pilgern ebenso wie von Touristen aus China und anderen Ländern.

Nach den Berichten der Exil-Tibeter, die sich auf das International Tibet Support Network (ITSN) stützen, seien zahlreiche Mönche und Lehrer in der Haft misshandelt und geschlagen worden, einige seien aufgrund schwerer Verletzungen durch brutale Schläge in der Haft auch gestorben. In den von den chinesischen Sicherheitskräften zernierten Klöstern mangle es an Wasser, Nahrung und Gas zum Kochen. Einige Mönche oder Nonnen hätten ihre Holzbetten zerkleinert, um auf diese Weise Brennmaterial zu bekommen. Es sei auch zu Selbstmorden unter Klosterinsassen gekommen.

Verhaftungen und Umerziehungen
Der Verhaftungswelle in den Klöstern sind nach einem Bericht des "Tibetan Solidariy Committee" Umerziehungsversuche der chinesischen Behörden vorausgegangen. So habe die Armee im Zuge einer "patriotischen Umerziehungskampagne" eigene Teams auch in die Klöster Drepung und Woser in Markham ausgeschickt. Einige Mönche hätten sich der Kampagne widersetzt und ihr Kloster verlassen. Andere Mönche, die zurückblieben und später halb verhungert herauskommen wollten, seien von Soldaten zurückgestoßen worden.

China berichtet von Waffenfund in Klöstern
Chinesische Polizisten haben nach amtlichen Angaben in tibetischen Klöstern Waffen und Sprengstoff beschlagnahmt. Inspiziert wurden sechs Klöster in der Provinz Gansu im Nordwesten des Landes, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. In zwei Einrichtungen in der Stadt Hezuo seien unter anderem ein Gewehr und Munition sowie zehn Kilogramm Dynamit und Zünder gefunden worden. In vier Klöstern im benachbarten Bezirk Xiahe hätten die Mönche tibetische Flaggen versteckt, deren Besitz verboten ist.

Die chinesische Regierung hat schon früher von Waffenfunden in tibetischen Klöstern berichtete, bisher aber keine Beweise vorgelegt. Peking wirft dem Dalai Lama vor, hinter den antichinesischen Unruhen in Tibet und weiteren Provinzen zu stecken und damit die Olympischen Sommerspiele sabotieren zu wollen. (APA/red)

15.4.2008 22:22