Natascha Kampusch bleibt das Opfer:
Medien behindern Aufarbeitung des Traumas
- Aufbau einer "Überlebenden-Identität" aber wichtig
- Kampusch jemand werden, der Situation kontrolliert

·Kampusch wurde in Opferrolle gedrängt
Psychologin: Aufarbeitung
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Opfer wie Natascha Kampusch, die in den Medien mit den Geschehnissen der Vergangenheit konfrontiert werden, haben vor allem ein Problem: "Sie werden dauernd in ihre Opferidentität gebracht." Das erklärte die Psychologin Eva Münker-Kramer vom Zentrum für Angewandte Psychotraumatologie in Krems. Dabei seien vor allem der Aufbau einer "Überlebenden-Identität" und der Blick in die Zukunft wichtige Schritte der Aufarbeitung.
"Die Betroffenen müssen sich vom Opfer zum Überlebenden entwickeln, von jemandem, der in der Hilflosigkeit steckt, zu jemandem, der die Situation kontrolliert", erklärte die Psychologin. Wichtig sei, dass die Person "nicht ständig selbst damit (mit Medienberichten, Anm.) konfrontiert wird, sondern jemanden hat, der das für sie aufbereitet." Wer in der Öffentlichkeit steht, brauche also eine Ansprechperson, welche die Dinge gewissermaßen filtert, bei der Aufarbeitung hilft und die Auswirkungen bespricht. Zusätzlich sei es wichtig, "eine Jetzt- und Zukunftsidentität aufzubauen", betonte Münker-Kramer.
Ein weiteres Problem bei der Einmischung von außen betrifft laut der Expertin die Aufarbeitung in der Traumatherapie. Im Normalfall liege dieser ein Konzept zugrunde, in dem genau festgelegt wird, wann welches Detail thematisiert wird. Auch das Auftreten bestimmter Auslöser, in der Psychologie sogenannte Trigger, werde genau geplant. Durch Medienberichte gerate die Reihenfolge durcheinander, die Auslöser könnten nicht abgeschirmt und eingeplant werden. Die Aufarbeitung im intimen Rahmen werde auf diese Weise immer wieder von der Außenwelt gestört.
Stabilisierungsphase gestört
Auch Rückschritte in der Therapie durch ständige Konfrontation mit den Ereignissen seien mögliche Folgen für die Opfer, sagte Münker-Kramer. Vor allem in der Stabilisierungsphase könnten unkontrollierbare Herausforderungen durch Dritte die Betroffenen stark beeinträchtigen. Hier gelte es nämlich, den Alltag ins Leben zu integrieren - "aber wenn zu viel passiert, gerät die Stabilisierung ins Wanken", so die Expertin.
Anders sei die Situation bei Gerichtsverhandlungen, erläuterte Münker-Kramer. Diese seien planbar und es gebe hier eine professionelle Opferbegleitung. Der Prozess sei dann zwar eine Belastung, aber eine kontrollierbare - denn eine Verhandlung bei Gericht sei meist auch weniger spektakulär als ein plötzlich auftretender Skandal. (APA/red)
