Pensionierter Lungenfacharzt vor Gericht:
Anklage wegen Mordes an 70-jähriger Frau
- Mediziner setzte depressiver Patientin tödliche Spritze
- Angeklagter Mann will sich auf Sterbehilfe berufen
Der pensionierte Salzburger Lungenfacharzt Helmut Wihan, der im Juni 2006 einer 70-jährigen, unter Depressionen und körperlichen Beeinträchtigungen leidenden Frau eine tödliche Injektion gesetzt hatte, soll sich wegen Mordes vor einem Geschworenengericht verantworten. Er beruft sich auf Sterbehilfe. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig, berichtet eine österreichische Tageszeitung.
Wihan hatte bei seiner Einvernahme betont, die Tötung der 70-Jährigen in ihrem Haus in Obertrum sei auf deren ausdrücklichen Wunsch geschehen. Er habe zuvor vergeblich versucht, ihr bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu helfen, erklärte er den "Salzburger Nachrichten". Ein psychiatrisches Gutachten kam nun zu dem Schluss, dass sich die Frau in einer solchen depressiven Phase befunden habe, in der sie keinen freien und ernstlichen Sterbewillen bilden konnte, auch wenn sie einen solchen äußern habe können. Dennoch habe der Arzt die tödliche Injektion gesetzt, begründete die Staatsanwaltschaft die Anklage.
Wihans Verteidiger Utho Hosp sagte den SN, sein Mandant spreche von "einer reinen Hilfeleistung aufgrund des ausdrücklichen Bittens und Ersuchens der Frau nach einer komplexen Gewissensentscheidung. Wir sind der Auffassung, dass hier ein Fall von Sterbehilfe vorliegt". Außerdem sei ungeklärt, "wer welche Spritze gegeben" habe. Es sei nicht auszuschließen, dass daran schon vorher eine andere Person auf Wunsch der Frau mitgewirkt habe. (APA/red)
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