Après Ski & Hüttengaudi: Wintertourismus
freut sich über Gäste- und Umsatzrekord
- Ursache: Gäste aus dem Osten und tolle Schneelage
- Hingegen leidet Skiindustrie unter Absatzrückgang

·Touristiker jubeln über starken Feburar
Viel Schnee brachte ein kräftiges Nächtigungsplus
·Noch mehr Urlaub in Österreich bis 2018
Studie belegt steigende Bedeutung des Tourismus
·Großer Zuwachs für Wien-Tourismus 2007
Erstmals über eine halbe Million Übernachtungen
·Urlaub in Österreich ist wieder angesagt
Nach 12 Jahren wieder 120 Mio. Nächtigungen
·Ein Traumstart in die Wintersaison 2007/08
Nächtigungen stiegen um 800.000 auf 9,4 Millionen
Der heimische Wintertourismus rechnet mit einem neuen Gäste- und Umsatzrekord in der Saison 2007/08. "Die bisherigen Zahlen deuten auf eine neue Rekordsaison hin", sagte der Obmann der Tourismussparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Hans Schenner, bei einer Zwischenbilanz nach Ostern. Nach der schwachen Vorjahressaison rechnet er heuer mit rund sechs Prozent mehr Umsätzen und einem vier- bis fünf-prozentigen Plus bei den Nächtigungen. Neuerlich eingebrochen ist dagegen der Skiverkauf.
2006/07 waren die Tourismusumsätze in der von November bis April dauernden Wintersaison bei rund 10 Mrd. Euro gelegen. Die Nächtigungen sind im Vorjahr um knapp ein Prozent auf 59,4 Millionen zurückgegangen. Als Grund wurden damals allgemein die warmen Temperaturen und der Schneemangel angeführt. Schenner dagegen erklärte, dass es auch im Vorjahr genug Schnee gegeben habe und nur die Negativmeldungen die Touristen abgehalten hätten. In der Realität werde der Klimawandel für den Wintertourismus in Österreich "sicher kein Problem werden", glaubt der Tourismus-Obmann.
Von November bis Ende Februar ist die Zahl der Übernachtungen laut Statistik Austria wie berichtet 2007/08 bereits um 7,7 Prozent auf 43,53 Millionen gestiegen, die Zahl der Gäste um 9,6 Prozent auf 10,24 Millionen. Die Umsätze lagen nach Wifo-Schätzung bis dahin bei 7,5 Mrd. Euro, elf Prozent über dem Vorjahresniveau.
Früher Saisonstart brachte Glück
Schenner führt die starken Zuwächse unter anderem auf eine bessere Auslastung und einen heuer früheren Saisonstart zurück. Schon im Dezember sei das Geschäft gut gelaufen. Auch nach dem Februar habe sich die gute Entwicklung fortgesetzt. Durch den frühen Oster-Termin habe man wesentlich höhere Preise verlangen können. Das Hauptsaison-Geschäft habe sich dadurch verlängert. Die Zahl der deutschen Gäste ist etwas zurückgegangen. Dafür sind aus Osteuropa neue Gäste dazugekommen.
Nach einer Blitzumfrage der Kammer unter den 2.233 Mitgliedern - durchgeführt von 31.3. bis 4.4. - zeigten sich 81 Prozent mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden bis zufrieden. Das Ostergeschäft alleine bewerteten 71 Prozent als zufriedenstellend. Besonders gut gelaufen ist das Geschäft demnach in Tirol, Vorarlberg und Salzburg. Schlecht dagegen lief es in Niederösterreich und dem Burgenland.
Im April werde das Geschäft voraussichtlich abstürzen, weil viele Betriebe nach Ostern jetzt früher zusperren, erklärte Schenner. Das reduziere aber auch die Kosten. Betriebswirtschaftlich sei der frühere Ostertermin daher ideal gewesen, so der Spartenobmann. Unterm Strich erwartet er dennoch stagnierende Gewinne. Die Hauptfaktoren Grundnahrungsmittel, Energie, Steuern und Beratung hätten sich von 2005 bis Anfang 2008 um 15 Prozent verteuert, die Heizkosten sogar um ein Fünftel. Die Preise der Tourismusbetriebe dagegen hätten sich in der Zeit nur um 7 Prozent erhöht. "Die Flugzeugindustrie hat den Kerosinzuschlag. Wir können keinen Heizkostenzuschlag verlangen", beklagte Schenner.
Gehaltsverhandlungen in Tourismus-Branche
Wohlgemerkt steckt die Tourismus-Branche seit Ende März in Gehaltsverhandlungen. Die ersten Gespräche seien zäh verlaufen, hört man aus der Kammer. Schenner erklärte dazu: "Die Gewerkschaft will wahrscheinlich einen Dreier vor dem Komma sehen. Wir werden sagen, ein Zweier vor dem Komma ist auch genug."
Ganz andere Sorgen hat unterdessen die Skiindustrie: Die neue Rekordsaison hat sich kaum auf die Nachfrage ausgewirkt. Laut einem "Krone"-Bericht haben die österreichischen Ski-Hersteller Atomic, Fischer, Head und Blizzard über mehrere Wochen jetzt auf Kurzarbeit umgestellt. Nachdem der Ski-Absatz 2006/07 um 30 Prozent eingebrochen war, habe es trotz "normaler" Schneeverhältnisse heuer nur ein mageres Plus von rund fünf Prozent gegeben, heißt es bei den Produzenten.
Sporthandel hofft auf Wunder
Noch düsterer sieht man die Lage im Sporthandel. Dort hört man, die Verkaufszahlen seien in den Läden jenseits der Bergregionen neuerlich zweistellig eingebrochen, in Norddeutschland angeblich sogar um 60 Prozent. Aber auch in Wien würden die Sporthändler mittlerweile schon im Jänner oft auf Sommersportartikel umstellen, so der Tenor. Während die Produzenten von fehlenden Innovationen und immer kürzeren Saisonen sprechen, verweist man im Handel vor allem auf den zunehmenden Trend zum Leih-Ski. Immer mehr Skifahrer sparen sich den Skitransport und mieten Ski vor Ort.
Die Sporthändler direkt in den Skiregionen freut's: Die Margen bei Leihski seien durchwegs höher. Nach der Saison werden die Ski in den Osten verkauft, so der Arlberger Sporthändler Reinhard Alber. (APA/red)
