Klimawandel als wirtschaftliche Chance:
Österreich setzt auf Geschäfte mit Energie
- Branchen-Boom: Energieeffizientes Bauen und Heizen
- FORMAT: klima:aktiv Baustandard hat sich bewährt

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Immer mehr Branchen und Unternehmen entdecken den Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor und beginnen - auch unter dem Eindruck steigender Energiekosten - auf energieeffizientes Bauen und Heizen umzusteigen. Oder aber es stecken handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter: Jene Unternehmen nämlich, die schon vor Jahren auf Umwelttechnologien und erneuerbare Energieproduktion gesetzt haben, nutzen jetzt ihren Vorteil und profitieren in Zeiten des Klimawandels von ihrer Position als Weltmarktführer - wie zum Beispiel die österreichische Solartechnologie.
Für beide Bereiche, Wohnbau- und Sanierung als auch erneuerbare Energieträger, versucht die Initiative des Umweltministeriums "klima:aktiv" ein Ansprechpartner für heimische Unternehmen zu sein. Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, zählt einige Leistungen auf: "klima:aktiv hat die Hebel an den neuralgischen Stellen angesetzt: Mit Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, mit transparenten Standards beim Bauen und Sanieren und mit der Vernetzung der wesentlichen Akteure ist es gelungen, Klimaschutz von der Strategie zu einer breiten Umsetzungsbewegung zu machen. Die Unternehmen haben den Klimaschutz als Erfolgsfaktor entdeckt und kooperieren auf breiter Ebene. klima:aktiv ist dadurch zum Impulsgeber für den Wandel zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem geworden."
Neue Standards im Wohnbereich
Ein wesentlicher Fortschritt ist die Einführung des klima:aktiv-Baustandards im Regierungsprogramm von SPÖ und ÖVP. In Zukunft sollen 50 Prozent aller Neubauten nach diesem Standard errichtet werden. Mithilfe eines 1.000-Punkte-Systems wird dabei die Qualität von neu gebauten Gebäuden ermittelt: Ein klima:aktiv-Haus benötigt 700 Punkte, ein klima:aktiv-Passivhaus mindestens 900 Punkte.
Das Programm findet offenbar Gefallen in der Baubranche: Bereits zwanzig Kooperationspartner haben sich gefunden, von Wohnbauträgern wie der Buwog bis zum Fertighaus-Fachverband. Was auch Umweltminister Josef Pröll, der das Programm im Jahr 2002 ins Leben gerufen hat, im FORMAT-Interview (siehe S. 62) freut: "Es ist uns gelungen, vom Massivhausbereich bis zum Fertighaus Partner an Bord zu holen und damit auch klima:aktiv-Standards zu definieren."
Firma Hartl profitiert vom Klimaschutz
Ein Beispiel für eine energieeffiziente Bauweise ist der Marktführer im Fertighausbereich, die Firma Hartl im niederösterreichischen Echsenbach. Dort findet am Samstag, dem 12. April, ein Tag der offenen Tür statt, an dem das neue klima:aktiv-Musterhaus "Energy X" besichtigt werden kann. Abgesehen von der ökologischen Bauweise liegt bei diesem Haus der Heizwärmebedarf um 80 Prozent unter dem eines Gebäudes nach Bauordnung.
Für Christian Murhammer, den Geschäftsführer des Fertighaus-Verbandes, ist der Trend hin zur Niedrig- oder Passivenergie-Bauweise eine Win-win-Situation: "Einerseits tut es dem Klima und der Umwelt gut, andererseits lässt sich damit auch Geld verdienen. Und die Kunden profitieren durch die niedrigeren Energiekosten." Minister Pröll kündigt im Interview überdies an, dass dieser Baustandard seine "Grundlage für die Verhandlungen über die Wohnbauförderung neu" mit den Bundesländern sein werde.
Lesen Sie die komplette Geschichte im FORMAT 15/08!
