Donnerstag, 10. April 2008

Gefangenenaustausch beim Geisel-Krimi?

  • Der Verhandlungspoker mit der al-Qaida

Die Entscheidung über das Schicksal der beiden Salzburger, über das Leben von Andrea Kloiber und Wolfgang Eber, liege nicht mehr in ihren Händen. Das ­betonten die Al-Qaida-Terro­risten in ihrer bislang letzten ­Botschaft: „Es liegt in jenen der österreichischen Regierung.“

Der Ball liegt am Ballhausplatz. Täglich tagt im Wiener Au­ßenministerium der Krisenstab. Doch nicht nur Haus­herrin Ursula Plassnik, auch der Verteidigungsminister, der Bundeskanzler sowie der Vizekanzler und Finanzminister müssen ihre Krisentauglichkeit unter Beweis stellen. Zuletzt verkün­deten die Entführer auf einer Internetplattform, zu der ausschließlich die höchste Führungsebene von al-Qaida Zugang hat: Nur die Freilassung des in erster Instanz verurteilten Terroraktivisten der Globalen Islamischen Medienfront Mohamed M. und seiner Frau würde im Tausch für das Leben der beiden Österreicher akzeptiert. Einen Gefallen haben sie mit der – für jeden Rechtsstaat unerfüllbaren – Forderung dem mutmaßlichen Internet-Jihaddi nicht getan. Sie erwähnten seinen Code­namen Gharib al-Diyar: jenes Alias, das das US-Militär auf Mohameds Spur führte und ihn schließlich enttarnte.

Hoher Preis für Freiheit. Doch die Freilassung von Mohamed M. und Mona S. ist nur ein Teil der Forderungen. Wie NEWS aus Kreisen um die Verhandler erfahren hat, geht es auch und vor allem um Geld. Um viel Geld. Finanzminister Molterer müsste einiges an Transaktions­geschicklichkeit beweisen, um diese Summe Richtung Nordafrika so dezent wie möglich zu bewegen. Denn eines ist sicher: Seine Parteifreundin Ursula Plassnik wird niemals genug ­diplomatische Geschicklichkeit aufbringen können, um Österreichs Ansehen in der west­lichen Welt retten zu können, wenn Lösegeldzahlungen bekannt würden. Denn jeder Euro, den die Republik für
die Freiheit der Salzburger ­zahlen würde, flösse direkt in die Schatullen von al-Qaida.

So hat allen voran Deutschland – und auch andere Länder – mit an Sicherheit grenzen­der Wahrscheinlichkeit für die Freilassung der 2003 ebenfalls in der Sahara entführten Touristen bezahlt. Angeblich zehn Millionen Euro. Offiziell wird diese Version dementiert. Sicht­­bar wurde das Geld nur in Form von Raketenwerfern und nagelneuen Geländejeeps in den Händen der Terrorgruppe, die sie entführt hatte: Damals hieß sie noch GSPC, die Sa­lafistische Gruppe für Predigt und Kampf, heute nennt sie sich al-Qaida im Maghreb.

Diplomatische Zwickmühle. Eine weitere Hochrüstung in Sachen Jihad gegen den Westen mit Geld made in Austria? Dies stößt den USA mehr als sauer auf, die via Satelliten jede Bewegung in der Sahara beob­achten und die schon jetzt ein neues Afghanistan in dem faktischen Niemandsland zwischen Mauretanien, dem Norden Malis und Nigers bis in den Tschad hinein befürchten. Tatsächlich werden hier in Camps Terror-Trainees für den Irak, aber auch für Anschläge im Westen ausgebildet. So reagieren auch Österreichs Partner in Brüssel derzeit spröde: „Europa droht eine Offensive der Al-Qaida-Bastion in Nordafrika. Das steht in direktem Zusammenhang mit der Entführung der beiden österrei­chi­schen Touristen“, warnte erst am Montag der EU-Terror­ko­ordinator Gilles de Kerchove. Er dürfte es ein bisschen ­anders gemeint haben, als es ­geklungen hat.

Faktum ist: Die Regierung ist in eine fatale Zwickmühle geraten. Weder der französische Geheimdienst noch die CIA wollen an Verhandlungen mitwirken, bei ­denen Geld fließt. Und selbst wollte Österreich trotzdem zahlen, den Deal im Alleingang durchziehen: Was bedeutet dies für die Zukunft? – „Ein Land, das sich in diesen Kreisen den Ruf einhandelt, rasch und viel zu zahlen, gefährdet alle anderen Bürger, da sie so zum begehrten Opfer werden“, schildert ein Ermittler die Brisanz der Situation.

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10.4.2008 09:03