Erstmals Einblicke in Forschungs-Struktur bei Geistes-, Sozial- & Kulturwissenschaften
- 583 Institute mit 7.859 Beschäftigten in Österreich
- Für Frauen besteht immer noch eine "Gläserne Decke"

Erstmals Einblicke in Struktur und Größenordnung der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) in Österreich gibt eine im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) erstellte Studie, die in Salzburg im Rahmen des vom Wissenschaftsministerium veranstalteten "Österreichischen Forschungsdialogs" präsentiert wurde. Demnach sind in Österreich 583 Institute im GSK-Bereich tätig, an denen 7.859 Personen (5.334 an Uni-Instituten, 2.525 an außeruniversitären Instituten) im Forschungsbereich beschäftigt sind.
Von den 583 Einrichtungen sind 277 Uni- und 306 außeruniversitäre Institute (davon 36 Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), 17 der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft (LBG) sowie 253 sonstige außeruniversitäre Institute). Vergleicht man die Beschäftigtenzahlen, zeichnet sich vor allem der außeruniversitäre Bereich durch eine "institutionelle Kleinteiligkeit" aus, wie es in der Studie heißt: Während an einem Uni-Institut durchschnittlich 19 Personen forschen und lehren, sind es an außeruniversitären Instituten durchschnittlich acht bis zehn.
Gläserne Decke
Von den Beschäftigten sind 3.435 Frauen und 4.424 Männer, wobei sich einmal mehr deutlich "gläserne Decken" für Frauen abzeichnen. Während bei Beschäftigten mit einem Erstabschluss das Verhältnis von Frauen und Männern noch relativ gleich ist, stellt an den außeruniversitären Instituten schon das Doktorat eine Hürde für Frauen dar, an den Uni-Instituten und jenen der ÖAW und der LBG ist es die Habilitation. Geleitet werden die 583 Institute von 169 Frauen (davon 73 Professorinnen) und 479 Männern (davon 331 Professoren) (65 Institute haben zwei Leiter, Anm.).
Von den insgesamt 583 erfassten Instituten sind 151 im Bereich Geisteswissenschaften tätig (79 Uni-Institute, 72 außeruniversitäre Institute), mit 2.635 in forschungsrelevanten Bereichen tätigen Beschäftigten. 256 Institute sind im Bereich Sozialwissenschaften tätig (103 Uni-Institute, 153 außeruniversitäre Institute), in ihnen arbeiten 2.603 Personen. Bleiben schließlich noch 176 kulturwissenschaftliche Institute (95 Uni-Institute, 81 außeruniversitäre Institute) mit 2.621 Beschäftigten.
Geldbeschaffung
Die Uni-Institute sowie jene der ÖAW und der LBG lukrieren Drittmittel üblicherweise über den Wissenschaftsfonds FWF, thematisch orientierte Forschungsförderungstöpfe der Ministerien sowie über EU-Programme. Die Finanzierungsformen der 253 sonstigen außeruniversitären Institute, die mehrheitlich als gemeinnütziger Verein organisiert sind, stellen ein "von unterschiedlichsten Fördergebern geprägtes Puzzle" dar, heißt es in der von der Politologin Ulrike Kozeluh erstellten Studie.
Nach einer groben Schätzung wird bei etwa der Hälfte dieser Institute zumindest die Infrastruktur durch Basissubventionen in unterschiedlicher Höhe und Dauer gesichert. Wichtige Fördergeber für sonstige Mittel sind Interessenvertretungen, NGOs, Unternehmen, politische Parteien, Länder, Gemeinden und Städte, im Bereich Grundlagenforschung auch EU-Projekte sowie Förderprogramme von Ministerien. Seltener als an den Unis ist bei den außeruniversitären Instituten der FWF als Fördergeber zu finden, der Jubiläumsfonds der Nationalbank ist nicht mehr relevant. Zusätzliche Geldgeber für die Grundlagenforschung sind auch deutsche Stiftungen sowie die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG).
(APA/red)
