"Die Sondergeschäfte waren Chefsache":
Ex-BAWAG-Vorstand Kleiner im Zeugenstand
- "Kein Risiko, das Bank in Bedrängnis bringen konnte"
- Über Karibik 1: "Wir haben rasch Gewinne gemacht"
Mit der Vernehmung des wohl letzten Zeugen hat sich der BAWAG-Prozess beschäftigt. Am bereits 90. Verhandlungstag in dem Mega-Wirtschaftsverfahren trat der frühere BAWAG-Vorstand Partik in den Zeugenstand. Partik saß bis zu seiner Pensionierung 1995 im Vorstand der BAWAG. Er gab vor allem über die Karibik-1-Geschäfte Auskunft.
"Die Sache war an sich Chefsache", meinte der heute auf Zypern lebende 74-jährige Partik. Der damalige Generaldirektor Walter Flöttl habe die Geschäfte mit seinem Sohn besprochen, der Vorstand sei informiert worden und habe die Dinge "bearbeitet". Walter Flöttl will im Prozess nicht als Zeuge aussagen, er beruft sich auf sein Entschlagungsrecht als Angehöriger eines Angeklagten.
Auch dem BAWAG-Aufsichtsrat sei immer wieder von "Sonderveranlagungen" in den USA berichtet worden. Eine Weisung, dass das nicht publik gemacht werde, dass dahinter der Sohn des Generaldirektors stecke, habe es nicht gegeben, "aber an sich spricht man über Geschäfte der Bank nach außen ohnehin nicht", meinte Partik.
"Es hat kein Risiko gegeben, das die Bank in Bedrängnis hätte bringen können", beteuerte Partik. "Wir haben rasch Gewinne gemacht". Die Angelegenheiten seien zwischen Vater und Sohn Flöttl besprochen worden und im Vorstand bearbeitet worden. Walter Flöttl sei ein "sehr vorsichtiger Generaldirektor" gewesen. "Wir haben sehr großes Vertrauen gehabt, alles hat immer funktioniert", versicherte der ehemalige Bankdirektor. Am Ende habe man "Milliarden" für die Bank verdient.
Keine Unterstützung für SPÖ und ÖGB
Entschieden bestritt Partik im Zeugenstand, dass die ehemalige Gewerkschaftsbank BAWAG finanzielle Unterstützung für die SPÖ, den ÖGB und den Konsum geleistet habe. "Das hat es sicher nicht gegeben", sagte der Zeuge auf den Vorhalt der Richterin, wonach Briefe von Flöttl sen. gefunden wurden, in denen der Bank-Chef den ÖGB-Präsidenten an die Leistungen der Bank erinnere. Das seien wohl "Scheinargumente" gewesen, um Forderungen von dieser Seite abzublocken, mutmaßte Partik.
(apa/red)

