Sonntag, 13. April 2008

G-7 im Kampf gegen künftige Finanzkrisen: Mehr Transparenz und genauere Kontrollen

  • Weltwirtschaft steht "vor einer schwierigen Periode"
  • IWF und Weltbank treffen sich zu Frühjahrstagung

Mit einer wirksameren Kontrolle der Finanzmärkte wollen die G-7-Staaten eine Wiederholung der Finanzkrise für die Zukunft vermeiden. Bei ihrem Treffen in Washington billigten die G-7-Finanzminister einen Entwurf, der Banken zu mehr Transparenz verpflichtet und die Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden verbessern soll. Heute treffen sich auch IWF und Weltbank zu ihrer Frühjahrestagung.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Finanzkrise stehe die Weltwirtschaft "vor einer schwierigen Periode", heißt es im G-7-Abschlusskommunique. Als vertrauensbildenden Schritt forderten die Minister Bankunternehmen auf, innerhalb der nächsten 100 Tage ihre erwarteten Verluste offenzulegen.

Umsetzung in nächsten 100 Tagen
Die G-7-Minister kündigten an, die Kernempfehlungen des vom Finanzstabilitätsforums erarbeiteten Regulierungsentwurfs in den nächsten 100 Tagen umzusetzen. Mehr Transparenz fordern die Minister in dem Beschluss nicht nur von Banken, sondern auch von Ratingagenturen, die ihre Bewertung von Finanzunternehmen stärker differenzieren und ihre Entscheidungen offener begründen sollen.

IWF-Treffen in Washington
Unter dem Eindruck der weltweiten Finanzkrise haben der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank ihre Frühjahrstagungen in Washington begonnen. Die Finanzinstitutionen wollen über eine angestrebte Reform diskutieren, die den aufstrebenden Schwellenländern ein größeres Gewicht im Entscheidungsprozess geben soll.

Erwartet wurde, dass der IWF dem Vorschlag seines neuen Direktors Dominique Strauss-Kahn zur Quotenreform zustimmt und den Stimmanteil der bisher dominierenden Industrieländer leicht senkt. Weitere Reformschritte sollen folgen.

Molterer bei Tagung
Auch die globale Finanzkrise und ihre Folgen dürften die Teilnehmer beschäftigen. Österreich wird von Finanzminister Wilhelm Molterer (V) vertreten. Er begrüßte die Absicht der Finanzinstitutionen, künftige Krisen mit klareren Regeln und mehr Transparenz zu verhindern, wandte sich aber gegen Pläne, dass der Staat die Spekulationsverluste der Banken abfangen soll. Der IWF befürchtetet Verluste von fast einer Billion Dollar (632 Mrd. Euro) durch die Finanzkrise.

Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte zum Auftakt der Tagung, angesichts der explodierenden Nahrungsmittelpreise den Einsatz von Biotreibstoffen zu überdenken. "Die Beimischungsziele müssen weltweit auf den Prüfstand", sagte sie in Washington. Der rasante Anstieg der Preise für Lebensmittel sei zu 30 bis 70 Prozent auf die zunehmende Produktion von Öko-Sprit zurückzuführen. Die immer teurere Nahrung sei "eine Gefahr für Wachstum, Armutsbekämpfung, Stabilität und den Frieden in der Welt", betonte die Ministerin. In zahlreichen, vor allem armen Staaten wie Haiti ist es wegen der hohen Preise bereits zu Unruhen, Plünderungen und Gewalt gekommen.

(apa/red)

13.4.2008 09:51