Privatfonds für die Reichen und Schönen:
FORMAT zeigt, was neue Fonds versprechen
- Betuchte Klientel legt Wert auf eine persönliche Note
- Wer 250.000 parat hat, darf zum Privatfonds greifen

Reiche können sich fast alles kaufen. Aber nur fast. Bei der Geldanlage war ihnen bisher der Zugang zu anonymen Privatfonds, bei denen die Veranlagung nach den Vorstellungen des Investors erfolgt, verschlossen. Solche "Spezialfonds" blieben Stiftungen vorbehalten; die Stifter selbst oder andere Personen waren nicht zugelassen.
Die gerade beschlossene Novelle zum Investmentfondsgesetz, die spätestens im Juni in Kraft treten soll, erlaubt jetzt nach Luxemburg auch in Österreich sogenannte Reichen-Fonds. Ab Sommer können natürliche Personen ihren ganz persönlichen Spezialfonds bestücken. Die Latte zum Einstieg liegt freilich hoch, pro Kopf sind laut Gesetz zumindest 250.000 Euro an Startkapital nötig. Dafür ist jedoch Exklusivität gesichert wie bei den bereits bisher erhältlichen Spezialfonds für Stiftungen und Unternehmen. Möglicherweise können auch Gruppen von bis zu zehn Personen 250.000 Euro zusammenlegen, um über diese Hürde zu kommen, so zumindest die Gesetzesinterpretation von Leitner+Leitner-Steuerexpertin Sabine Kirchmayr.
Steuerliche Vorzüge von Fonds
Ein Fonds hat einige wichtige Vorteile gegenüber einem klassischen Depot. So können Privatanleger Gebühren und Spesen innerhalb eines Fonds von der KESt oder anderen Ertragssteuern absetzen, außerhalb dagegen nicht. Außerdem werden Kursgewinne von Aktien normalerweise in der Spekulationsfrist mit dem vollen Einkommenssteuersatz von bis zu 50 Prozent belastet. Bei im Fonds erzielten Kursgewinnen (allerdings auch nach Jahresfrist) ergibt sich letztlich eine Steuerquote von nur fünf Prozent. Dieses Privileg gilt auch bei normalen Publikumsfonds für Jedermann.
Um diesen Vorteil für ihre wohlsituierte Klientel zu nutzen, behalfen sich clevere Vermögensverwalter bisher mit einem Umweg: einem privaten Publikumsfonds, der de facto für alle anderen Investoren geschlossen war. Der Haken: Auch solche Fonds nur für Friends und Family mussten mühsam von der Finanzmarktaufsicht FMA genehmigt und der tägliche Kurs und Fondsmittei- lungen teuer in der Zeitung veröffentlicht werden.
Mit diesem Aufwand ist bei den neuen Spezialfonds Schluss. C-Quadrat-Investment-Vorstand Peter Reisenhofer: "Ein Spezialfonds hat auch den Vorteil, dass die dreimonatige Wartefrist, die die FMA bei Neuzulassungen üblicherweise vorsieht, wegfällt."
Außerdem entfällt die Veröffentlichung des jährlichen Rechenschaftsberichts, der auch bei "privaten" Publikumsfonds obligatorisch ist und neugierigen Fremden Aufschlüsse über Vermögen und Investmentstrategie liefert. C-Quadrat-Experte Reisenhofer: "Die neuen Spezialfonds sind ein sehr anonymes und intelligentes Produkt."
Lösungen für Normalsterbliche
Wem die Hürden für einen privaten Spezialfonds zu hoch sind, kann sich seine Fonds steuerschonend über eine Fondspolizze zusammenstellen und damit eine Art Spezialfonds light auf eigene Faust managen. Je nach Gesellschaft kann man schon ab 30 Euro im Monat einen Mix aus bis zu 200 vorgegebenen Fonds zusammenstellen. Wem dies nicht reicht, der kann bei der Uniqa-Tochter FinanceLife auch jeden anderen verfügbaren Fonds ordern, falls er dort mindestens 30.000 Euro investiert. Noch mehr Freiheit bietet Uniqa Liechtenstein. FinanceLife-Chef Werner Holzhauser: "Ab 100.000 Euro gibt es das Produkt Privileg Platin mit ganz individueller Veranlagung."
Die ganze Geschichte lesen Sie im FORMAT 15/2008!

