Freitag, 11. April 2008

Warnungen vor Nahrungsmittelkrise werden
lauter: Millionen Menschen weltweit bedroht

  • IWF: Steigende 'Lebensmittelpreise globales Problem'
  • Welternährungsorganisation: Trifft ärmsten Länder

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, betrachtet den weltweiten Anstieg der Lebensmittelpreise als ebenso großes Problem für die Weltwirtschaft wie die globale Finanzkrise. "Es gibt heute nicht nur eine reine Wachstumskrise, sondern eine mindestens ebenso wichtige Krise entwickelt sich gerade durch das Anziehen der Inflation sowie der Preise von Rohstoffen und besonders Lebensmitteln", so Strauss-Kahn.

"In einer Anzahl von Ländern, namentlich in Afrika, wird dies zu wirtschaftlichen Turbulenzen führen, aber auch zu beträchtlichem individuellen Leid, weil es eine der Ernährungsgrundlagen destabilisieren wird", so Strauss-Kahn weiter.

Mit Blick auf die internationale Finanzkrise sagte Strauss-Kahn den betroffenen Ländern Hilfe und Beratung zu. Allerdings seien die derzeitigen Probleme nicht durch die Art von Wechselkursproblemen ausgelöst worden wie frühere Perioden wirtschaftlicher Unsicherheit. Dennoch werde der IWF eine Rolle dabei spielen, den Staaten den nötigen Rat zur Verfügung zu stellen. Diese werde allerdings oft abseits der Öffentlichkeit geschehen.

FAO: Trifft ärmsten Länder
Die Welternährungsorganisation (FAO) befürchtet weitere Preissteigerungen für Nahrungsmittel. Diese Entwicklung bedrohe weltweit Millionen der ärmsten Menschen, erklärt die FAO. Die explodierenden Getreidepreise treffen demnach die ärmsten Länder immer härter. In 37 Ländern weltweit gebe es inzwischen eine Nahrungsmittelkrise, und in zehn Staaten vor allem in Afrika und Asien habe es im vergangenen Monat Unruhen wegen der rasant gestiegenen Preise für Nahrungsmittel gegeben, hielt die FAO in einem Bericht fest.

In vielen Entwicklungsländern seien die Preise für Brot, Reis, Milch und andere Grundnahrungsmittel in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen, heißt es in dem Bericht. Als Gründe für den Anstieg der Getreidepreise nennt die FAO eine ständig zunehmende Nachfrage, Versorgungsengpässe und neue Exportrestriktionen.

Die ärmsten Länder der Welt müssen 2007/2008 rund 56 Prozent mehr für Getreideimporte bezahlen, in manchen afrikanischen Ländern seien es sogar 74 Prozent mehr, schätzt die FAO. Der dramatische Anstieg folge auf die bereits erhebliche Erhöhung um etwa 37 Prozent in der Saison 2006/2007.

Rekordernte als Helfer
Die angespannte Versorgungslage könnte sich nach Ansicht der FAO aber etwas verbessern, da in diesem Jahr bei Getreide mit einer Rekordernte von 2,16 Milliarden Tonnen gerechnet werde. Dies wäre eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent. Der größte Anteil der Produktionssteigerung entfällt demnach auf Weizen. Aber auch bei Reis sei mit einer leichten Produktionssteigerung zu rechnen.

Der explosionsartige Anstieg der Lebensmittelpreise und die Verteuerung von Brennstoff haben besonders in Entwicklungsländern zu Unruhen geführt. In Ägypten kam bei zweitägigen Unruhen in dieser Woche ein Mensch ums Leben, und auch in Haiti kam es aus gewaltsamen Protesten.

(apa/red)

11.4.2008 14:22