Muss ÖBB-Chef seinen Hut nehmen? Bahn nach Skandalen in schweren Turbulenzen
- Huber: Privates Immobiliengeschäft zur Last gelegt
- Präsident Pöchhacker will Entscheidung am 22. April

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Nach anhaltenden Diskussionen will ÖBB-Präsident Horst Pöchhacker im nächsten Holding-Aufsichtsrat in den kommenden Tagen eine endgültige Entscheidung über den künftigen ÖBB-Vorstand herbeiführen. "Bis dahin werden die Untersuchungen, Ergänzungen im Rechtsbereich und Stellungnahmen des Managements vorliegen. Damit ist der Aufsichtsrat dann entscheidungs- und handlungsfähig", so Pöchhacker.
Das amtierende Bahn-Management ist zuletzt vor allem wegen Rückstellungen für Spekulationsverluste mit hochriskanten Wertpapieren in Höhe von mittlerweile 230 Mio. Euro zunehmend unter Druck geraten. Außerdem wurde ÖBB-Generaldirektor Martin Huber zuletzt ein privater Immobiliendeal mit einem Geschäftspartner der ÖBB zur Last gelegt. Der Aufsichtsrat hat zu beiden Kritikpunkten rechtliche Gutachten in Auftrag gegeben.
Huber vor Ablöse
Medienberichte gingen in den vergangenen Tagen einhellig davon aus, dass zumindest ÖBB-Chef Martin Huber, derzeit auf Urlaub, seine Funktion vorzeitig zurücklegen werde. Involvierte Kreise im Verkehrsministerium und den ÖBB versicherten einhellig, dass im Hintergrund nach wie vor hektisch verhandelt werde und die Entscheidungen noch nicht gefallen seien.
Aktuelles Szenario aus Politkreisen: Neben Huber könnte auch Vize-ÖBB-Chef Gustav Poschalko den Holding-Vorstand verlassen. Ihm waren zuletzt üppige Beratungshonorare an eine ungarische Lobbyingagentur für den Kauf der ungarischen Bahn-Güterverkehrsgesellschaft MAV-Cargo vorgehalten worden. Dagegen könnte Finanzchef Erich Söllinger bis zum Auslaufen seines Vertrags Mitte 2009 bleiben - dafür soll Personenverkehrs-Vorstand Josef Halbmayr nicht in den Holding-Vorstand nachrücken und ÖBB-Infrastruktur-Bau-AG-Vorstand Gilbert Trattner wegen der Finanzspekulationen gehen.
Weibel im Gespräch
Vor dem Hintergrund sind im ÖBB-Umfeld bereits heftige Spekulationen entbrannt, wer Huber an der Spitze der ÖBB beerben könnte. Ein Name, der gehandelt wird: der frühere Chef der Schweizer Bahn (SBB), Benedikt Weibel. Weibel stand von 1993 bis 2006 an der Spitze der SBB, die heute als Vorzeigebahn gilt. Seit 2003 ist er Verwaltungsrat der Französischen Staatsbahn SNCF und aktuell Delegierter der Schweizer Regierung für die Fußball-Europameisterschaft EURO 2008. Pöchhacker betonte allerdings, es sei "keine vordergründige Zielrichtung, internationale Experten an Bord zu holen". Nach vielen Jahren Auslandserfahrung sei er "überzeugt, dass wir genug Know-how im eigenen Land haben".
In Politkreisen heißt es, dass für eine Huber-Nachfolge nur eine Persönlichkeit aus der Wirtschaft mit SPÖ-Wurzeln in Frage kommen werde. Namen werden derzeit keinen genannt. Die zuletzt als Favoritin gehandelte Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer ist mittlerweile im Münchner Elektronikkonzern zur neuen Osteuropa-Chefin aufgestiegen. Ihr Wechsel gilt deshalb mittlerweile als praktisch ausgeschlossen.
Bahn-Kreisen zufolge könnte der ÖBB-Holding-Vorstand deshalb vorläufig von vier auf zwei Mitglieder - Söllinger und den bisher mit den Infrastruktur-Agenden betrauten Vorstand Peter Klugar - verkleinert werden und Klugar, mit zweijährigem Intermezzo im Verkehrsministerium seit 1978 bei der Bahn, die Unternehmensführung übernehmen.
(apa/red)

