Treuhänder wollen radikale Steuerreform:
Flat Tax in Höhe von 45 Prozent gefordert
- Soll Lohnsteuer und Sozialversicherung ersetzen
- Nach Ansicht von Steuerexperten "sozial gerechter"
·Reform: Mittelstands-
Entlastung wird teuer
2,7 Mio. freuen sich über Senkung der Lohnsteuer
·"Arbeitsplan 2008" umfasst 95 Themen
Exakter Terminplan der Koalition für Erledigung
·'Spitzensteuersatz' unberührt seit 1989
TABELLE: Spitzensteuer-
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Für einen radikalen Systemwechsel bei der Lohnsteuer und der Sozialversicherung plädiert die Kammer der Wirtschaftstreuhänder. Der Plan: Statt beide Abgaben getrennt einzuheben, sollen die Finanzämter künftig nur noch eine einheitliche Flat Tax von 44 bis 46 Prozent kassieren. Für den sozialen Ausgleich soll ein jährlicher Steuerfreibetrag von 11.000 Euro sorgen, der dazu führen würde, dass niedrige Einkommen nicht die volle Steuerlast tragen müssten, sagte Fachsenatsvorsitzender Karl Bruckner bei einer Pressekonferenz.
Würde man statt Sozialversicherung und Lohnsteuer eine Flat Tax von 45 Prozent kassieren, gäbe es laut Bruckner "kaum Verlierer". Außerdem wäre das System seinen Berechnungen zufolge aufkommensneutral, aber dafür wesentlich einfacher. Außerdem wäre es nach Ansicht des Steuerexperten sozial gerechter als der Status quo. Grund dafür: Rechnet man die Belastung aus Lohnsteuer und Sozialversicherung zusammen, dann zahlen Bezieher mittlerer Einkommen bis 55.000 Euro jährlich schon jetzt höhere Steuersätze als darüberliegende Spitzenverdiener.
Wie Bruckner vorrechnete, wird bei Einkommen zwischen 15.500 und 35.600 Euro schon jetzt Steuer und Sozialversicherung im Ausmaß von 45,6 Prozent fällig. Bis 55.020 Euro steigt die Belastung sogar auf 49,3 Prozent. Damit zahlen die Bezieher mittlerer Einkommen deutlich höhere Abgaben als Spitzenverdiener: Auf Einkommen ab 55.020 Euro werden nämlich nur 38,2 Prozent Steuern und Abgaben fällig, weil ab diesem Verdienst keine Sozialversicherung mehr anfällt. Etwas höher, aber immer noch deutlich unter den 49 Prozent liegt wegen des Spitzensteuersatzes die Belastung der Einkommen ab 69.442 Euro (43,7 Prozent).
Wie der Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, kritisierte, zeigt diese Berechnung, "dass die großen Einkommen teilweise geringer belastet sind als die niedrigen Einkommen". Außerdem sei das Steuer- und Sozialversicherungssystem wegen der unterschiedlichen Freibeträge und Bemessungsgrundlagen viel zu kompliziert. "Wir brauchen für die Lohnverrechnung eher Leintücher als Bierdeckel".
Bruckner verwies darauf, dass man, Lohnsteuer und Sozialversicherung zusammen betrachtet, jetzt schon nahezu ein Flat-Tax-System habe. Die Umstellung auf einen Einheitssteuersatz mit einem Freibetrag von 11.000 Euro jährlich hätte dagegen den Vorteil, dass höhere Einkommen dann auch tatsächlich stärker belastet würden. Außerdem wären laut Bruckner hohe Einsparungen durch Verwaltungseinsparungen möglich, weil die Sozialversicherungsbeitrage damit ebenfalls abgedeckt wären. Das Geld würde von den Finanzämtern eingehoben und an die Gebietskrankenkassen weitergeleitet, womit diese Mitarbeiter einsparen könnten.
Vorteil für Freiberufler: Sie könnten im von dem Wirtschaftstreuhändern vorgestellten System mit einer Steuerbegünstigung ähnlich des 13. und 14. Monatsgehalts bei den Arbeitnehmern rechnen. (apa/red)

