Bizarrer Fackellauf in San Francisco: Feuer "versteckte" sich vor Tibet-Demonstranten
- IOC-Präsident Rogge gestand erstmals "Krise" ein
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Chronologie der Tibet-
Proteste um Olympia
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Lama zurück in Tibet
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übersprungen werden
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Berichterstattung war teilweise nicht korrekt
Katz- und Maus-Spiel beim Fackellauf: Aus Angst vor massiven Demonstrationen gegen die Tibet-Politik der chinesischen Regierung ist der Lauf mit der olympischen Flamme durch San Francisco in letzter Minute komplett umgeleitet worden. Damit konnten Proteste wie in London und Paris verhindert werden; es gab nur drei Festnahmen wegen Handgreiflichkeiten. Frustrierte Demonstranten und Zuschauer warteten stundenlang vergeblich auf die Fackel. Unterdessen gab das Polizeiministerium in Peking bekannt, dass zwei Terrorgruppen zerschlagen wurden, die Anschläge auf die Olympischen Spiele und Entführungen geplant hätten.
Nach Angaben des Ministeriums wollten die Gruppen aus der muslimischen Region Xinjiang ausländische Athleten, Touristen und Journalisten verschleppen. Zudem hätten sie Selbstmordanschläge mit Sprengsätzen geplant. 45 Menschen seien festgenommen worden. In Xinjiang lebt das Turkvolk der Uiguren. Uigurische Exilgruppen beklagen kulturelle und religiöse Unterdrückung in China.
IOC-Präsident Rogge gestand "Krise" ein
Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, gestand in Peking erstmals eine Krise ein. Allerdings habe man "schon größere Stürme bewältigt", sagte Rogge nach der Auftaktsitzung der IOC-Exekutive und verwies unter anderem auf das Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Die Fortsetzung des Fackellaufs stehe nicht zur Diskussion. San Francisco war die sechste Station der Flamme auf ihrer Reise nach Peking. Die nächste Etappe des Fackellaufs ist am Freitagabend (MESZ) in Buenos Aires.
Läufer nahmen Umweg
In San Francisco wurden die Läufer statt entlang der beliebten Hafenpromenade, wo sich zehntausend Menschen versammelt hatten, durch andere Stadtteile geschickt. Sie wurden heimlich per Bus zu den neuen Strecken gefahren und setzten ihren Lauf unter starkem Polizeischutz in meist menschenleeren Straßen fort. David Perry, Sprecher der Fackellauf-Organisatoren, verteidigte die Maßnahme: Zahlreiche Fackelträger hätten sich vor Ausschreitungen gefürchtet, sagte er dem Lokalsender KTVU. Auch die Abschlussfeier wurde gestrichen.
Peter Ueberroth, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), begrüßte den Ablauf der Veranstaltung. "Die Stadt San Francisco wird global betrachtet dafür Applaus erhalten." Der Dalai Lama sprach sich gegen Gewalt bei den Protesten während des Fackellaufs aus. Bei einem Zwischenstopp in Tokio betonte er vor Journalisten aber zugleich das Recht auf Meinungsfreiheit. Niemand dürfe den Demonstranten den Mund verbieten, sagte das religiöse Oberhaupt der Tibeter. Auf seinem Weg in die USA drückte er erneut seine Unterstützung für Pekings Ausrichtung der Spiele im August aus.
Brown nimmt nicht an Eröffnungsfeier teil
Der britische Premierminister Gordon Brown wird nicht an der Eröffnungsfeier in Peking teilnehmen. Allerdings plane er bislang noch, zur Abschlusszeremonie zu reisen, sagte Browns Sprecherin. Seine Nichtteilnahme bedeute daher keineswegs, dass Großbritannien diese Zeremonie boykottiere. Die Opposition begrüßte die Erklärung.
Alarmiert durch die jüngsten Proteste haben die Organisatoren in Indonesien die Route des Fackellaufs drastisch gekürzt. Die Flamme soll am 22. April nicht mehr durch ganz Jakarta getragen werden, sagte der Chef des Organisationskomitees, Sumohadi Marsis, der "Jakarta Post" (Donnerstag). 1500 Polizisten seien dann im Einsatz.
Das Europäische Parlament verlangte einen Boykott der Eröffnungsfeier, wenn China keinen Dialog mit dem tibetischen Oberhaupt Dalai Lama aufnimmt. Die Abgeordneten riefen die Staats- und Regierungschefs der Gemeinschaft auf, in der Frage eine gemeinsame Haltung einzunehmen. Die Resolution ist unverbindlich.
(APA/red)
