Donnerstag, 10. April 2008

IOC hält an olympischem Fackellauf fest:
'Keine Änderung bei internationaler Route'

  • Mönche fordern Rückkehr Dalai Lamas nach Tibet
  • Fischer: Teilnahme an den Spielen soll freiwillig sein

Trotz massiver Unterdrückung haben tibetische Mönche erneut die Unabhängigkeit und die Rückkehr des Dalai Lama gefordert. Sie nutzten eine Pressereise ausländischer Journalisten, um ihr Anliegen in die Weltöffentlichkeit zu bringen. Die Mönche des Klosters Labrang in Xiahe in der an Tibet grenzenden Provinz Gansu unterbrachen das straffe Programm der Pressereise, schwenkten tibetische Fahnen und riefen ihre Forderungen.

Zunächst hätten 15 bis 20 Mönche die eintreffenden ausländischen Journalisten umringt, wie der Pekinger Korrespondent der Zeitungen "Der Standard" und "Die Welt", Johnny Erling, der Deutschen Presse-Agentur dpa telefonisch mitteilte. Die Mönche hätten weinend für kulturelle Freiheit in Tibet, gegen Unterdrückung und für den Dalai Lama protestiert. Sie sprachen sowohl Tibetisch als auch Chinesisch auf die Journalisten ein und hätten tibetische Flaggen dabei gehabt.

Später sei die Gruppe auf bis zu 50 Mönche angewachsen. Nach einem emotionalen, etwa zehnminütigen Gespräch seien die demonstrierenden Tibeter aber von älteren Mönchen abgedrängt worden. Die Sicherheitskräfte hätten nicht eingegriffen und lediglich versucht, die Korrespondenten zum Weitergehen zu bewegen. Sie seien peinlich berührt und offenbar von dem Vorfall überrumpelt gewesen. Bei dem Zwischenfall sei keine Gewalt angewendet worden.

Visite ausländischer Journalisten
Die Visite ausgewählter ausländischer Journalisten war vom Pekinger Außenministerium sorgfältig organisiert worden. Elf Reporter unter anderem aus den USA, Russland und Japan sollen auf der viertägigen Visite die Unruheregion Gannan der Provinz Gansu und unter anderem die Städte Xiahe, Hezuo, Maqu und Luqu besuchen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Xinhua meldete zudem, nach der Störung im Kloster Labrang sei das Programm planmäßig fortgesetzt worden. Bereits vor zwei Wochen hatten Mönche während einer sorgsam vorbereiteten Reise ausländischer Reporter in Lhasa demonstriert. Bei den Unruhen Mitte März kamen nach Angaben der Behörden 22 Menschen ums Leben. Tibetische Exilgruppen nannten hingegen eine Zahl von mindestens 140 Todesopfern.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat unterdessen Chinas Einsatz eigener Wächter beim weltweiten olympischen Fackellauf verteidigt. Die Eskorte für den Fackellauf werde immer vom Gastgeberland der Olympischen Spiele gestellt, sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Mittwoch in Peking. "Das ist hundertprozentig normal und es ist nichts Ungewöhnliches daran." Nach dem Fackellauf am Sonntag in London war Kritik am aggressiven Verhalten der chinesischen Fackel-Wächter laut geworden.

Speziell trainierte Fackelschutz-Truppe
Indien und Australien, wo der Fackellauf in diesem Monat fortgesetzt wird, hatten sich gegen den Einsatz der chinesischen Polizeibeamten in ihrem Land ausgesprochen. Bei den Wächtern handelt es sich nach Angaben chinesischer Staatsmedien um ausgesuchte, speziell trainierte Beamte einer paramilitärischen Polizeitruppe.

Ein britischer Sender hatte berichtet, der Chef der Olympischen Spiele 2012 in London, Sebastian Coe, habe die chinesischen Einsatzkräfte als "Schläger" bezeichnet. Sie hätten beim Fackellauf drei Mal versucht, ihn beiseite zu drängen. Die frühere britische TV-Moderatorin Konnie Huq, die beim Lauf in London eine Zeit lang die Olympische Fackel trug, sprach gegenüber der Zeitung "The Times" von "Handgemengen" zwischen den chinesischen Einsatzkräften und britischen Polizisten. Die Chinesen seien ihr "sehr roboterhaft" vorgekommen. "Sie schnauzten Befehle wie 'lauf', 'stop' und ich dachte mir, 'wer sind diese Leute'", berichtete Huq demnach.

IOC-Präsident will weiteren Fackellauf
IOC-Präsident Jacques Rogge schloss eine Absage des olympischen Fackellaufs aus. Berichte, laut denen das IOC den Verzicht auf die außerhalb Chinas geplanten Etappen der olympischen Flamme erwäge, beruhten auf einem Missverständnis, sagte Rogge dem "Wall Street Journal". "Es gibt keine Diskussion darüber, irgendwelche Etappen abzusagen." Der IOC-Exekutivrat werde sich bei seiner Sitzung lediglich routinemäßig mit dem bisherigen Ablauf der Veranstaltung beschäftigen.

Bundespräsident Heinz Fischer sprach sich gegen den Versuch der Politik aus, Sportler davon abzuhalten, wegen des Tibet-Konflikts zu den Olympischen Spielen nach China zu fahren. "Die Sportler sollen selbst entscheiden, ob sie hinfahren wollen", sagte Fischer in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit". Fischer selbst wird nicht zur Eröffnung der Spiele nach Peking reisen. (APA/red)

10.4.2008 11:00