Montag, 7. April 2008

Olympischer Fackellauf ganz abgebrochen: Geplante Stationen werden übersprungen

  • Zeremonie vor Pariser Rathaus wurde abgesagt
  • Massive Proteste gegen Chinas Menschenrechtspolitik

Massive Proteste gegen die chinesische Menschenrechtspolitik haben zum Abbruch des olympischen Fackellaufes in Paris geführt. Der Staffellauf wurde beendet, nachdem Gegner Pekings ihn behindert und mehrmals aufgehalten hatten. Laut Polizei hatte die Fackel bereits kurz nach dem Start am Eiffelturm aus "technischen Gründen" gelöscht werden müssen. Die Polizei nahm acht Menschen fest. Darunter fand sich eine Abgeordnete der französischen Grünen-Partei. Exil-Tibeter sprachen von mindestens 23 vorübergehenden Festnahmen.

Nach Abbruch des Staffellaufes brachte ein Bus die Flamme von der Nationalversammlung zum Ziel, einem Stadion im Süden der Stadt, wie die Polizei mitteilte. Die ursprünglich geplanten Stationen dazwischen seien übersprungen worden. Die chinesische Botschaft in Paris hatte ihrerseits kurz zuvor entschieden, die Route des Fackellaufes zu ändern und eine halbstündige Veranstaltung am Rathaus ausfallen zu lassen. Dort hatten mehrere Stadträte die tibetische Flagge an der Rathaus-Fassade aufgehängt.

Protestaktionen
Die grünen Stadträte befestigten außerdem ein schwarzes Banner der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF/RoG), das die Olympischen Ringe in Form von Handschellen zeigte. Bürgerrechtler ketteten sich am Eiffelturm an und entrollten das selbe Banner. Das RSF-Transparent wurde auch an der Kathedrale Notre Dame angebracht.

Fackel zweimal gelöscht
Wegen der Proteste musste das Feuer auf der letzten europäischen Etappe der Fackel sogar kurzfristig zweimal gelöscht werden. Zu Beginn des Fackellaufs hatte ein Mitglied der Grünen Partei versucht, die Flamme dem ersten Träger, dem früheren 400-Meter-Hürden-Sprinter Stephane Diagana, zu entreißen. Diagana trug aus Sympathie mit Tibet ein Band mit der Aufschrift "Für eine bessere Welt". Dazu hatten die im Nationalen Olympischen Komitee organisierten Athleten aufgerufen.

Chinas Tibet-Politik
China hat mit der Niederschlagung der jüngsten Proteste in der Himalaya-Region weltweit Kritik ausgelöst. Seit Beginn der tibetischen Unruhen in China Mitte März sind nach offiziellen Angaben 19 Menschen bei Protesten getötet worden. Die Exil-Tibeter sprechen dagegen von etwa 140 Toten und Hunderten Festnahmen.

"Boykottiert chinesische Waren" und "Rettet Tibet" forderten die Demonstranten in Paris auf ihren Plakaten und Spruchbändern, die sie zu Tausenden an die insgesamt 28 Kilometer lange Strecke bis ins Stadion Charlety mitgebracht hatten. Etwa dreitausend Polizisten sollten in der Stadt für Sicherheit sorgen. Allein 165 Polizisten und hundert Feuerwehrleute bildeten auf Rollerblades, mit Motorrädern und zu Fuß einen Sicherheitskorridor, um die Flamme abzuschirmen.

Reaktionen des IOCs
"Der Fackellauf ist zur Zielscheibe geworden", warnte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Jacques Rogge mahnte China außerdem zu einer friedlichen Lösung für Tibet. "Wir fordern eine rasche und friedliche Beilegung der Krise in Tibet, die eine Protestwelle in der Welt ausgelöst hat", sagte Rogge bei einem Treffen mit Vertretern des chinesischen Olympiakomitees in Peking.

Trennung von Sport & Politik?
China reagierte auf Rogges Mahnung zurückhaltend. Die Olympischen Spiele sollten als großartiges Sportereignis "von der Politik ferngehalten werden", sagte die Sprecherin des Organisationskomitees (BOCOG), Wang Hui, vor der Presse in Peking. "Ich denke, Herr Rogge nimmt die gleiche Position ein." Diese Trennung von Politik und Sport gelte auch für den Fackellauf, sagte Wang Hui. Jedes Land habe seine Weise, mit Demonstrationen am Rande umzugehen. "Während des Fackellaufes hat es ein paar Störungen gegeben, aber wir glauben, dass alle friedliebenden Menschen in der Welt den Fackellauf unterstützen werden."

"Mahnwache " in Wien
In Wien hat unterdessen vor der Botschaft der Volksrepublik China eine Mahnwache der Tibeter in Österreich begonnen, die bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking am 8. August dauern soll. "Die Chinesen werden den Geist Tibets nie besiegen", sagte die Präsidentin der Tibeter Gemeinschaft Österreich (TGÖ), Tseten Zöchbauer, zur APA. Die Teilnahme der vielen jungen Tibeter an den Protesten in aller Welt zeige, dass "die nächste Generation für den Widerstand bereitsteht".

Die Olympische Flamme wurde am 24. März im antiken Olympia in Griechenland entzündet und reist bis zum Beginn der Sommerspiele in Peking durch fünf Kontinente. Von Paris aus sollte sie in die Vereinigten Staaten gebracht werden. Auf ihrem Lauf rund um die Welt soll sie zudem auch durch das Tibet-freundliche Indien und die Himalaya-Provinz selbst getragen werden, bevor sie am 6. August am Austragungsort Peking eintrifft. (apa/red)

7.4.2008 19:00