Geringere Beteiligung an Parlamentswahl in
Italien: Exit-Polls am Nachmittag erwartet
- Italiener entscheiden zwischen Berlusconi & Veltroni
- Wahlbetrug? Stimmzettel in Palermo verschwunden

·Italien: Entrüstung über Berlusconi-Sager
"Unsere Frauen schöner als die der Linken"
·"Bin größer als
Putin und Sarkozy"
Berlusconi beschwert
sich über Karikaturisten
Bei den italienischen Parlamentswahlen wird eine geringere Wahlbeteiligung als bei dem letzten Urnengang vor zwei Jahren erwartet. Bereits am ersten Wahltag war die Beteiligung mit knapp 63 Prozent um drei Prozentpunkte niedriger ausgefallen als am ersten Wahltag 2006. In Italien ist die Wahlbeteiligung traditionell hoch; seit 1994 lag sie stets über 80 Prozent.
Fast 50 Millionen Wahlberechtigte sollen über 630 Abgeordneten- und 315 Senatorensitze abstimmen. Bei der Parlamentswahl tritt die Mitte-Links-Formation "Demokratische Partei" um Walter Veltroni gegen Oppositionschef Silvio Berlusconi an, der zum fünften Mal als Spitzenkandidat an einem Wahlkampf teilnimmt. Laut letzten Umfragen gilt der Medienzar als Favorit im Wahlduell. Gewählt wird nach dem Proporzsystem, das im Dezember 2005 wieder eingeführt wurde. Exit Polls, also Nachwahlbefragungen, werden unmittelbar nach Wahlschluss um 15 Uhr veröffentlicht.
Wahlbetrug in Sizilien?
Auf die Hauptstadt Siziliens fiel unterdessen der Schatten des Wahlbetrugs: Der Verantwortliche eines Wahllokals in Palermo berichtete, über 100 leere Stimmzettel seien verschwunden. Über den Vorfall ermittelt die Polizei.
Das Thema Wahlbetrug beschäftigt auch die Spitzenkandidaten der italienischen Parlamentswahl: Oppositionschef Berlusconi hatte vergangene Woche wiederholt vor Betrügereien bei dem bevorstehenden Urnengang gewarnt. Die Linke habe auch bei den letzten Parlamentswahlen vor zwei Jahren massiv auf Wahlbetrug gesetzt, um den Urnengang zu gewinnen, behauptete der Oppositionsführer.
Politik-Verdrossenheit
Laut Politologen ist die niedrigere Wahlbeteiligung das Resultat der Politik-Verdrossenheit vieler Italiener, sowie der scharfen Kampagne gegen die politische "Kaste", die Starkomiker Beppe Grillo geführt hat. Nach Angaben des Meinungsforschungsexperten Renato Mannheimer sprechen die bisherigen Zahlen dafür, dass viele Wähler, die sich bis zuletzt unentschieden gezeigt hatten, gar nicht zur Wahl gegangen sind. Laut Umfragen waren fast 30 Prozent der Italiener zwei Wochen vor dem Urnengang noch unentschieden, wen sie wählen sollten. Mannheimer meinte, auch ein eher langweiliger Wahlkampf habe die geringe Mobilisierung unter der Wählerschaft bewirkt.
In der süditalienischen Region Kampanien wurde am ersten Wahltag ein Rückgang in der Wahlbeteiligung von vier Prozent gemeldet. Aus Protest wegen der Müllkrise, die die Region in den vergangenen Monaten schwer belastet hat, hätten sich viele Wähler von den Urnen ferngehalten, berichteten italienische Medien.
Aktionismus
In Kampanien sorgte ein Unternehmer mit einem ungewöhnlichen Protest für Aufsehen: Aus Protest gegen das Parteiensystem aß der Unternehmer seinen Wahlzettel auf. "Ich fühle mich von keiner Partei repräsentiert", rechtfertigte sich der Mann, der angezeigt wurde. Auch auf Sizilien kam es zu einem Zwischenfall. Der Verantwortliche eines Wahllokals in Palermo berichtete, über 100 leere Stimmzettel seien in der Nacht auf Montag verschwunden. Über den Vorfall ermittelt die Polizei.
(apa/red)
