Unruhen in Haiti noch nicht ganz gestoppt: Präsident will Subventionsmodell entwickeln
- Aufstände erstreckten sich über das gesamte Land
- Lebensmittelpreise haben sich zuletzt teils verdoppelt

Die Lage in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince haben sich leicht entspannt. Nach der ultimativen Aufforderung von Präsident René Préval, die Gewalt einzustellen, war es nach Angaben von Augenzeugen ruhiger als am Vortag, als Tausende von Demonstranten plündernd durch die Stadt gezogen waren. Jedoch kam es wieder zu Überfällen auf Supermärkte und Tankstellen.
"Im Vergleich zu Mittwoch hat sich die Lage deutlich entspannt", sagte ein Einwohner. Der Senat hatte zuvor Premierminister Jacques- Édouard Alexis zum Rücktritt aufgefordert. Auch die Demonstranten riefen den Premier auf, seinen Hut zu nehmen. Das Land brauche Lösungen für die dringendsten Probleme, die Alexis nicht erreicht habe, hieß es zur Begründung. Alexis rief in aller Eile die Botschafter der Geberländer zusammen, um sie um finanzielle Unterstützung zu bitten.
Ansprache des Präsidenten
Präsident Préval hatte in einer Ansprache nur vage eine Änderung in der Regierung in Aussicht gestellt und unterstrichen, dass er sich dem Druck der Straße nicht beugen werde. Er machte den Menschen nur wenig Hoffnung auf eine Senkung der Preise für Grundnahrungsmittel.
Steigende Lebensmittelpreise
Die Unruhen waren Ende der vergangenen Woche wegen der ständig steigenden Preise für Lebensmittel zunächst in der südhaitianischen Stadt Les Cayes ausgebrochen. Bisher kamen fünf Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. In der Hauptstadt wurden zahlreiche Geschäfte, Banken, Tankstellen und Privathäuser geplündert. "Die Regierung hat noch kein Mittel gefunden, um dem Vandalismus Einhalt zu gebieten", sagte ein Vertreter einer internationalen Hilfsorganisation.
Die von Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlte Ansprache von Préval wurde von den meisten Menschen in Haiti mit Enttäuschung aufgenommen. Auch internationale Beobachter vermissten konkrete Maßnahmen. Viele äußerten die Vermutung, dass Drogenbanden oder Anhänger des 2004 gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide die Unruhen provoziert haben, mit dem Ziel, die Lage im ärmsten Land Amerikas weiter zu destabilisieren. Das Land ist in Jahrzehnten der Diktatur wirtschaftlich und politisch völlig ruiniert worden. Seit Mitte 2004 versucht die UN-Mission Minustah, Haiti den Weg in die Demokratie zu ebnen.
(apa/red)
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