Donnerstag, 10. April 2008

Nächste Runde im Herberstein-Prozess: Umgeschriebene Rechnungen im Mittelpunkt

  • Einzelne Belege wurden penibel durchbesprochen
  • Wer war für Belegs-Umschreibungen verantworlich?

Am sechsten Tag im Grazer Herberstein-Prozess ging es zunächst um jene Rechnungen, die laut Anklage so umgeschrieben wurden, dass sie in die Förderrichtlinien passten. Andrea Herberstein, die zu jedem einzelnen Beleg befragt wurde, erklärte, dass für das meiste der damalige Gutsverwalter Heinz Boxan zuständig gewesen wäre. Boxan schilderte, dass er all die Jahre in Herberstein in erster Linie als Buchhalter tätig war und auf Anweisung gearbeitet hatte.

Die umgeschriebenen Rechnungen hatte Staatsanwalt Johannes Winklhofer als Grundlage für den Vorwurf des schweren gewerbsmäßigen Betruges angeführt, da damit seiner Meinung nach die Fördergelder des Landes missbräuchlich verwendet worden sind. Doch Andrea Herberstein konnte nahezu bei jeder Rechnung beweisen, warum aus ihrer Sicht sehr wohl alles korrekt abgelaufen ist, auch wenn hier und da eine Kleinigkeit verändert worden war, so dass die Rechnung über die geförderten Projekte wie Tierpark oder historischer Garten abgerechnet werden konnte.

Rechnungen im Fokus
Einzelne Rechnungen - von kleineren Baggerarbeiten bis zur kompletten Gartengestaltung - wurden Stück für Stück durchbesprochen. So hatte eine Firma an verschiedenen Stellen mit Baumaschinen gearbeitet und dafür 6.838 Euro verlangt. Die gesamte Rechnung wurde umgeschrieben für Arbeiten im historischen Garten, weil es für dieses Projekt eine Förderung des Landes Steiermark gab. Es wäre auch in der ursprünglichen Form alles gefördert worden, war Andrea Herberstein überzeugt, und außerdem "es handelt sich um eine Förderung von 300 Euro". "Diese Rechnung ist angeklagt, und wenn es zwei Euro sind, werden wir auch hier sitzen", entgegnete Richterin Elisabeth Juschitz.

Frage der Verantwortung?
Verantwortlich für die Umschreibungen sei in den meisten Fällen Heinz Boxan gewesen, so die Angeklagte. "Er hat vielleicht gedacht, zu unserem Wohle zu handeln, aber er hatte keinen Auftrag dazu", stellte Andrea Herberstein fest. Der ehemalige Gutverwalter, der von 1971 bis 2000 mit zwei ganz kurzen Unterbrechungen auf Herberstein tätig war, stellte sich selbst eher als Buchhalter dar, der Anweisungen von Andrea oder zunächst noch Johann Otto Herberstein erhalten hatte. Er schilderte, wie er Ordnung in die Schwarzeinnahmen gebracht hatte, indem er diese genauso wie die offiziellen Einnahmen verwaltete.

(APA/red)

10.4.2008 16:18