Dienstag, 8. April 2008

"Ärzte dürfen nicht zu Polizisten werden": Widerstand gegen Fingerprints auf E-Card

  • Vorschlag von Ministerin Kdolsky stößt auf Kritik
  • SPÖ: Foto, Adresse und die digitale Signatur reichen

Die von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky geforderte Speicherung von Fingerprints auf der E-Card stößt auf Ablehnung. Die SPÖ sprach von einer "unnötigen Kostenfalle". Außerdem sei die Fingerabdrucktechnik "unausgereift und fehleranfällig". Foto, Adresse und digitale Signatur würden ausreichen. Der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger erklärte, Ärzte dürften nicht zu Polizisten werden.

SP-Technologiesprecher Kurt Gartlehner sieht vor allem die Gefahr der Fälschung: Fingerabdrücke könnten "mit einfachen Mitteln gefälscht und die Sensoren getäuscht werden", so Gartlehner. Außerdem seien besonders bei älteren Menschen und Personen, die viel mit ihren Händen arbeiten, die Fingerabdrücke nicht ausreichend ausgeprägt, um eine sichere Erkennung zu gewährleisten.

Für den SPÖ-Abgeordneten ist daher klar, dass "Foto, Adresse und die digitale Signatur" für eine "zukunftssichere Verwendung als Bürgerkarte" ausreichen. Alles andere sei nur "sinnloses Datensammeln".

Harte Kritik Öllingers
Kritisch äußerte sich auch der Grüne Abgeordnete Öllinger. Zwischen Arzt und Patient müsse ein Vertrauensverhältnis bestehen. Wenn aber in Ordinationen in Zukunft Fingerabdrücke und Fotos überprüft würden, dann trete der Arzt dem Patienten nicht als Helfer, "sondern als polizeilicher Ermittler gegenüber". Darüber hinaus würde die Einrichtung eines derartigen Systems "weitere zig-Millionen Euro schwere Kosten für das Gesundheitssystem" bedeuten. FPÖ und BZÖ begrüßen hingegen Kdolskys Vorstoß.

"An der Realität vorbei"
Auch innerhalb der ÖVP regt sich Widerstand gegen die Pläne Kdolskys. Die würde "völlig unsinnig und teuer", sagte VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger - selbst niedergelassener Arzt - in der Tageszeitung "Österreich". Gegenüber dem "Kurier" erklärte er, der Vorschlag gehe an der Realität vorbei.

Ein Foto auf Karte halte er zwar für sinnvoll, um Missbrauch einzudämmen, Fingerprints würden aber "riesige logistische Probleme" verursachen. Es sei fraglich, ob eine teuere Umstellung mehr bringt, als der Missbrauch derzeit koste.

(apa/red)

8.4.2008 22:55