Dienstag, 8. April 2008

Herberstein über Abgabenhinterziehung:
Schwarzbuchhaltung bereits seit 70er Jahren

  • Ehemaliger Gutsverwalter schied 2000 im Streit
  • PLUS: Abfertigung wurde mit Unterlagen erzwungen

Im Grazer Herberstein-Prozess beschäftigt sich der Schöffensenat nach wie vor mit der Befragung von Andrea Herberstein. Diesmal ging es darum, wie viel sie von der Schwarzbuchhaltung gewusst hatte und wie es zu dem Bruch mit dem mitangeklagten ehemaligen Gutsverwalter Heinz Boxan gekommen war. Andrea Herberstein wird vorgeworfen, für den angeblichen Missbrauch von Fördergeldern sowie die Steuerhinterziehung verantwortlich zu sein.

Richterin Elisabeth Juschitz befragte Andrea Herberstein zunächst zu den Abgabenhinterziehungen, die in der Anklageschrift mit 765.561,33 Euro beziffert werden. Die Angeklagte bestätigte zwar, dass es schon immer eine Schwarzbuchhaltung gegeben habe, zu den Details konnte sie aber nichts sagen. Sie wisse nur, dass die Schwarzeinnahmen zwischen fünf und zehn Prozent der Erlöse betragen hätten, so die Befragte. Das Schwarzgeld sei in erster Linie zu Lohnzahlungen verwendet worden, nur ein kleiner Teil für private Aufwendungen. Der Großteil des Erlöses sei aber in den Betrieb zurückgeflossen.

Andrea Herberstein betonte mehrfach, dass sie weder genau über die Höhe der Schwarzeinnahmen noch über deren spezielle Verwendung Bescheid gewusst habe. "Das hat alles Heinz Boxan gemacht", erklärte sie. Der ehemalige Geschäftsführer, der ebenfalls angeklagt ist, hatte mit seiner Selbstanzeige die Sache erst ins Rollen gebracht.

BRuch erfolgte 2000
Im Jahr 2000 kam es zwischen Andrea Herberstein und Heinz Boxan zum Bruch. "Es gab mehrere Gespräche, er fühlte sich kontrolliert", schilderte Herberstein. Daraufhin beendete Boxan von sich aus Ende 2000 das Dienstverhältnis. Er forderte eine Abfertigung und drohte, mit den Schwarzbuchhaltungs-Unterlagen an die Öffentlichkeit zu gehen. "Warum haben Sie bezahlt?", fragte Verteidiger Peter Bartl. "Wir hatten keine Wahl." Dass Boxan später doch Selbstanzeige erstatten würde und diese Unterlagen der Finanz und der Anklage Behörde vorlegen würde, konnte damals niemand ahnen.

Im selben Jahr hatte bereits der Steuerberater zu einer Selbstanzeige bei der Finanz geraten. Doch laut Andrea Herberstein war der Zeitpunkt dafür denkbar ungünstig, war doch die Verlassenschaft ihres Ex-Mannes noch immer nicht geregelt. "Kann es sein, dass sie auch befürchtet haben, dass dadurch die Verhandlungen mit dem Land Steiermark über die Förderungen sterben könnten?", wollte Staatsanwalt Johannes Winklhofer wissen. "Das kann ich so nicht sagen, aber es hätte für politischen Wirbel gesorgt", meinte Andrea Herberstein.

Zuletzt wurde noch begonnen, die Förderungen des Landes Steiermark an Herberstein zu durchleuchten. Eigentlich waren dem Betrieb laut Andrea Herberstein 8,72 Mio. Euro versprochen worden. 2002 flossen 2,9 Millionen, dann stockte die Auszahlung allerdings. Es kam zu einer stillen Beteiligung des Landes an Herberstein. Doch erst 2004 floss die nächste Million. "Es war geplant, die stille Beteiligung aufzustocken", so die Beschuldigte.

(apa/Red)

8.4.2008 16:40