Josef Pröll bleibt bei Biosprit auf Kurs: Sieht
keinen Grund vom Fahrplan abzuweichen
- Deutschland stoppte zuvor Biosprit-Verordnung
- Benzin sollte ab '09 10% Ethanol beigemengt werden

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Die Entscheidung des deutschen Umweltministers Sigmar Gabriel (SPD) über den Stopp der umstrittenen Biosprit-Verordnung hat auch in Österreich eine Debatte über den angestrebten Beimischungsanteil von 10 Prozent bei Agrartreibstoffen entfacht. Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll sieht auch angesichts der deutschen Debatte über die Verträglichkeit von Biosprit für Autos keinen Grund, vom bisherigen Fahrplan abzugehen, sagte er am Rande einer Pressekonferenz in Wien.
Ziel bleibe es, eine Quote von 10 Prozent Biosprit bis zum Jahr 2010 zu erreichen. Dies bedeutet laut Minister aber nicht einen 10-Prozent-Anteil Beimischung, sondern es sollen 10 Prozent des Gesamttreibstoffverbrauchs durch alternative Beimischungen ersetzt werden. Dazu könne auch ein höherer Anteil an Autos mit reinem Biodieselantrieb beitragen, erläuterte Pröll. Der ARBÖ hatte bereits 2004 angemerkt, dass rund 70 Prozent aller Traktoren mit reinem Biodiesel fahren könnten. Die Anhebung des Biosprit-Anteils müsse jedenfalls technisch so gemacht werden, dass es für die Autoflotte verträglich sei.
Diskussion in Deutschland
Die relativ junge Autoflotte in Österreich ist von der Diskussion in Deutschland über die Verträglichkeit des Biosprits laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) kaum betroffen. 26,7 Prozent der Pkw in Österreich seien nicht einmal 5 Jahre alt, während nur 1,9 Prozent aller zugelassen Autos ein Alter von über 25 Jahren hätten. In Österreich gebe es insgesamt 4,25 Mio. Pkw, wovon 1,96 Millionen mit Benzin fahren. Der Anteil des Biosprits an den Treibstoffen betrage derzeit in Österreich 4,3 Prozent und soll bis 1. Oktober 2008 auf 5,75 Prozent steigen.
"Problemverlagerung"?
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert dennoch, dem deutschen Beispiel zu folgen. "Österreich gehört zu den wenigen Staaten, wo der zuständige Minister sich weigert einzusehen, dass Biotreibstoffe mehr Probleme verursachen als sie lösen", kritisiert Greenpeace-Experte Jurrien Westerhof. Pröll müsse handeln, denn die Wirkung der österreichischen Biotreibstoff-Politik sei hauptsächlich eine Verlagerung der Emissionen und nicht deren Vermeidung.
So würden die bei der Herstellung verursachten CO2-Emissionen der Landwirtschaft und nicht dem Verkehr zugerechnet. Da ein Teil der Rohstoffe für die Produktion importiert werden müsste, würden die Emissionen im Ausland anfallen, kritisiert Greenpeace. Damit habe sich die Umweltorganisation "unfreiwillig zum Handlanger der Öl-Lobby gemacht". In Österreich sei es durch die Beimischung von Biosprit gelungen, über eine Million Tonnen an CO2-Emissionen zu sparen, die durch den Verkehr verursacht wurden, konterte das Umweltministerium.
Für den Autofahrerclub ARBÖ werden die heimischen Autofahrer für die Pionier-Rolle Österreichs bei der Beimischung von biogenen Treibstoffen zur Kasse gebeten. "Fakt ist, dass derzeit kein einziger Tropfen Ethanol aus heimischer Erde kommt. Wenn Ethanol aus dem Ausland importiert werden muss, schmälert das die Ökobilanz", meinte ARBÖ-Geschäftsführer Leo Musil.
Österreichische Biotreibstoff-Debatte
Erfreut zeigte sich SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr über die nun auch in Österreich in Schwung kommende Debatte über Biotreibstoffe. "Nur weil 'Bio' draufsteht, heißt das nicht, das auch 'Bio' drinnen ist", meinte Bayr. Die klimaschädlichen Auswirkungen von agrarischen Treibstoffen seien mittlerweile hinlänglich bekannt. Für Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen, ist der angestrebte Beimischungsanteil "völlig überzogen". Bereits jetzt müsste Österreich biogene Kraftstoffe im Ausmaß von rund 200.000 Hektar Anbaufläche importieren.
(APA/red)
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