Große NEWS-Diskussion mit 4 Powerfrauen:
"Frau sein allein ist noch kein Programm"
- Glawischnig, Bures, Lindner und Potzinger im Gefecht
- Betreuung: 'Keine Offensive, sondern ein Offensiverl'

·Weitere Chance für ÖVP-Länder von Bures
Doch Beteiligung aller an Kinderbetreuungspaket?
·Familie: Väter-Urlaub gegen Papa-Monat
Regierung kommt wieder auf keinen 'Grünen Zweig'
·Burgstaller wäre die ideale SP-Vorsitzende
Profil: Für Österreicher laut Umfrage die Beste
·Wenn Frauen an den Machthebeln sitzen
FORMAT: Verhalten sie sich anders als Männer?
·Arbeit: Frauen immer
noch benachteiligt
Gleichbehandlungs-
anwältin sieht Defizite
·Anteil der Frauen in Politik noch zu gering
32 Prozent Frauenanteil. PLUS: Online-Umfrage!
Einkommensschere, geringere Pensionen, zu wenig Kinderbetreuung - nach wie vor gibt es in vielen Bereichen eine Benachteiligung von Frauen. Bei einem Runden Tisch diskutierten Frauenministerin Bures, die Grünen-Vizechefin Glawischnig, Ex-ORF-Chefin Lindner und Sissi Potzinger vom Katholischen Familienverband, ob und wo es tatsächlich noch Ungerechtigkeiten gibt.
NEWS: Es gibt nach wie vor gravierende Unterschiede zwischen Männern und Frauen am Arbeitsmarkt. Erstes Stichwort: Spitzenpositionen.
Glawischnig: Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, nur wegen eines Y-Chromosoms bessere Chancen zu haben. In den staatsnahen Unternehmen gibt es zum Beispiel genau eine weibliche Chefin. Auf den Unis schaut es bei den Rektorinnen nicht viel anders aus. Ich verstehe hier die Zurückhaltung der Frauenministerin nicht: Wieso führen Sie keine Quote für Vorstandsetagen und Aufsichtsräte ein?
Lindner: Auch meine Position (als ORF-Generaldirektorin, Anm.) war eine politische Entscheidung. Und ein großer Teil der hier Anwesenden ist mitverantwortlich, dass nun dort auch wieder keine Frau sitzt. Bei meiner Abwahl habe ich weit und breit nichts von Frauensolidarität bemerkt.
Bures: Ich mache alles, um Frauen in ihren Karrierechancen, in ihrer Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit zu stärken. Aber ich sage auch: Frau sein allein ist kein Programm.
Glawischnig: Das ist alles gut. Nur machen muss man es einmal, Frau Ministerin!
Bures: Wir haben ganz eindeutig ein immer breiteres Bündnis mit der Wirtschaft. Aber ich kämpfe für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen. Da lässt sich eben nicht alles mit Vorschriften regeln.
NEWS: Für Frauen ist es nach wie vor sehr schwer, Kind und Karriere zu vereinbaren.
Potzinger: Ich bin für Wahlfreiheit. Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass Frauen echte Wahlfreiheit haben. Dazu gehören bedarfsgerechte Kinderbetreuungseinrichtungen und steuerliche Entlastung. Kinderreichtum darf nicht zur Armutsfalle werden.
Lindner: Ich bin schon ein bürgerliches Subjekt, aber mit vielen Dingen kann ich mich nicht anfreunden. Und womit ich gar nicht leben kann, ist die ganze Frage der Schule. Ich rede davon, dass etwa in Frankreich, wo Sie viel mehr Frauen in Spitzenpositionen finden werden, wo viel mehr Frauen mit Kindern aktiv im Berufsleben stehen - dort gibt es eine Ganztagsschule. Denn ich hätte mit Kindern nie, niemals dorthin kommen können, wo ich war.
Bures: Ja, denn eine Kinderpause bedeutet einen Einkommens- und Karriereknick.
Glawischnig: Aber das ist auch eine Infrastrukturentscheidung. Da muss die Regierung eben mehr ganztägige Schulen anbieten.
Bures: Wir haben seit 1. Jänner 45 Millionen Euro zur Verfügung gestellt für 6.000 zusätzliche Betreuungsplätze pro Jahr!
Aber Entschuldigung: 6.000 Plätze sind nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein
Das ist keine Offensive, sondern bestenfalls ein Offensiverl.
NEWS: Diskutiert wird derzeit über die Einführung eines "Papa-Monats" nach der Geburt.
Ich bin dafür, dass es einen Rechtsanspruch gibt. Ich glaube nicht, dass wir Männer in diesem Bereich zwangsbeurlauben sollten. Wir sollten aber die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es möglich ist.
NEWS: Was ist das Dringlichste für Frauen, das Ihrer Meinung nach besonders rasch umgesetzt werden müsste?
Glawischnig: Aus meiner Sicht sind es nach wie vor die Einkommensunterschiede, da sehe ich zwar Lyrik, aber keine Maßnahmen.
Die gesamte Diskussion lesen Sie im aktuellen NEWS 14/08!
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