Donnerstag, 3. April 2008

"Ware Frau" aus Afrika: Ein Buch zeigt den Weg von Millionen Frauen in die Prostitution

  • Frauen werden mit falschen Versprechungen gelockt
  • In diesem Buch erzählen Betroffenen ihr Schicksal

Wer von Zwangsarbeit und Prositution hört, denkt gleich an Entwicklungsländer. Doch viele Afrikanerinnen werden nach Europa verschleppt und werden gezwungen ihren Körper zu verkaufen. Auch in Österreich leben hunderte Betroffene, berichten die Autorinnen Mary Kreutzer und Corinna Milborn in ihrem Buch "Ware Frau".

Vier Millionen Frauen weltweit sind Opfer von Zwangsarbeit und Prostitution. Und das nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Europa. Das Buch "Ware Frau" berichtet über das Schicksal tausender Afrikanerinnen, die gezwungen werden ihren Körper zu verkaufen - mit falschen Versprechungen, Drohungen gegen die Familie und Angst einflößenden Voodoo-Ritualen. "Es gibt auch in Österreich Hunderte Betroffene", so Autorin Corinna Milborn, die gemeinsam mit Mary Kreutzer das 240 Seiten dicke Buch verfasst hat, im APA-Gespräch.

Falsche Versprechungen
Bis zu 100.000 Frauen aus Nigeria arbeiten in Europa als Prostituierte, erzählen die Autorinnen. Sie alle sind Opfer von Menschenhändlern, die Mädchen mit falschen Papieren aus Afrika einfliegen lassen. Zu finden sind die Zwangsarbeiterinnen in Bordellen und auf dem Straßenstrich in jeder größeren Stadt - ums Eck in Wien, aber auch in Linz, Salzburg oder Klagenfurt, so Milborn, bekannt unter anderem auch als Co-Autorin von Waris Dirie ("Wüstenblume"). "Ich hab überhaupt nicht damit gerechnet. Es waren für uns völlig unbekannte Welten und sicher auch sehr erschreckend, wenn man draufkommt, was dahinter steckt."

Persönliche Schicksale
Acht betroffene Frauen zwischen 19 und 35 Jahren schildern in dem Buch ihr persönliches Schicksal. Einer Prostituierten in Italien dienenur eine zerschlissene, schmutzige Matratze mitten im Wald und ein Klappsessel der Fahrbahn als Arbeitsplatz. Joy verkauft ihren Körper in Wien für zehn Euro pro Stunde und muss eine horrende Summe an Menschenhändler abzahlen. "Die Betroffenen stecken in so einem dichten Netz aus Zwängen", erklärte Milborn. Dazu zählt auch Erpressung: Eine 24-jährige Nigerianerin verweigerte die Prostitution, ihr Bruder wurde daraufhin niedergeschossen.

Viele Täter sind Frauen
Auch die Arbeit der Menschenhändler in Nigeria, die gesellschaftlichen Bedingungen in Afrika und die Hintergründe des Frauenhandels werden von den Autorinnen durchleuchtet, Freier und Menschenhändler kommen zur Wort. Die Täter sind auch Frauen, denn nicht Männer, sondern so genannte "Madames" sind für die Auswahl der Mädchen und deren Beaufsichtigung bei der Arbeit verantwortlich.

Verein für Opfer
Ausgangspunkt der Arbeit von Milborn und Kreutzer war vor etwa zwei Jahren die Feststellung, dass in Wien plötzlich mehr afrikanische Frauen als Prostituierte arbeiten. Die Arbeit am Buch "Ware Frau" begann,als Joana Adesuwa Reiterer den beiden kurz darauf ihre "unglaubliche Geschichte" erzählte: Die Nigerianerin verliebte sich in einen Menschenhändler, heiratete den Mann, der sich ihr gegenüber als Reiseunternehmer ausgab, und zog mit ihm nach Wien. Dort wollt der Zuhälter die 27-Jährige zur "Madame" seiner Mädchen machen. Reiterer konnte sich befreien und versucht heute mir ihrem Verein "Exit" (www.ngo-exit.com) weiteren Opfern in Österreich zu helfen.

Polizei hilft nicht
Kritik übt das Buch auch an der heimischen Polizei: Prostituierte erzählen von nicht aufgenommen Anzeigen gegen Menschenhändler, Pass-Diebstahl oder Dokumenten-Fälschung. "Es war sehr erschreckend, jemand geht zur Polizei und es passiert einfach nichts", urteilt Milborn. Auch von Seiten des Staats ortet die Autorin Nachholbedarf. Trotz Resolutionen und etlichen Maßnahmen käme nichts bei den Betroffenen an. Der Opferschutz in Österreich sei viel zu gering. "Ich wünsche mir mehr Augenmerk für die Betroffenen", so Milborn. Das Buch soll daher vor allem Mut machen Tabus zubrechen, denn schlimm sei vor allem das "Wegsehen der Gesellschaft", betonte sie. "Ohne Nachfrage gäbe es das Ganze ja nicht." (apa/red)

3.4.2008 12:51