Montag, 31. März 2008

Kritik von höchster Stelle: Buchinger warnt vor Salzburger Telekom-Anbieter MyPhone

  • Kritik an "unseriösen Praktiken" der Kundenwerbung
  • Unternehmen dementiert und klagt gegen Unbekannt

Das Konsumentenschutz-
ministerium warnt vor unseriösen Telekom-Angeboten des Salzburger Anbieters MyPhone, gegen den seit Monaten Beschwerden eingehen. Die Firma schicke Rechnungen, ohne dass je ein Vertrag zugesagt werde, telefonisch werde falsch oder unvollständig informiert, das Rücktrittsrecht werde verweigert, weil die Voraussetzungen dafür wegen irreführender Informationen nicht eingehalten würden. MyPhone will der Telekom Austria bereits 30.000 Kunden "weggenommen" haben. Die aggressive Art der Kundenwerbung brachte dem Unternehmen scharfe Kritik hunderter Neukunden, Gerichtsklagen und Verurteilungen zu hohen Geldstrafen ein.

Konsumentenschutzminister Erwin Buchinger rät Konsumenten bei einer telefonischen Kontaktaufnahme, "die Gespräche sofort abzubrechen und auf keinen Fall sofort nach Erhalt der Rechnung eine Zahlung zu leisten". Betroffene sollten einen eingeschriebenen Brief mit einer Rücktrittserklärung an das Unternehmen senden. Bleibe die Korrespondenz erfolglos, wird auf Konsumentenschutzorganisationen wie den Verein für Konsumenteninformation (VKI), die Arbeiterkammer (AK) oder das Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz verwiesen.

Die AK wirft MyPhone "Täuschung und Überrumpelung" vor, berichten die "Salzburger Nachrichten". Auch die Telekom sowie die Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde hat MyPhone gegen sich aufgebracht: Sie haben die Firma auf Unterlassung geklagt und vom Bezirksgericht Salzburg Recht bekommen. Auch die Staatsanwaltschaft ermittle gegen MyPhone wegen Betrugs. Konkret geht es um den Verdacht, dass MyPhone Tonbandaufnahmen von Kundengesprächen und Unterschriften gefälscht haben soll. "Die Ermittlungen laufen intensiv", sagte eine Sprecherin.

Klage wegen Rufschädigung
MyPhone-Geschäftsführer Fredy Scheucher dementiert das vehement - er habe Klage gegen Unbekannt wegen Rufschädigung eingereicht. MyPhone habe zehntausende Kunden, "wenige hundert Beschwerden sind da nicht viel." Dass Mitarbeiter sich als Telekom-Angestellte ausgegeben hätten, sei "nicht hundertprozentig auszuschließen", weil man "nicht jeden immer kontrollieren kann" - offizielle Firmenpolitik sei dies aber keineswegs. Der Telefonmarkt sei "knallhart umkämpft", die großen Firmen wollten MyPhone "mit Klagen fertig machen." Nun aber werde die Telekom selbst wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt: "Dort passieren Dinge, die viel schlimmer sind, als das, was uns vorgeworfen wird." Scheucher kündigt zudem an, dass das Vertriebssystem transparenter gestaltet werde, Kunden über 65 Jahren werde man gar nicht mehr anrufen.

Laut Telekom sei der Konkurrent zu insgesamt 350.000 Euro Strafe verurteilt worden. Weil die Telekom moniert habe, dass MyPhone mit seinen Methoden weitermacht, hat das Gericht Beugestrafen verhängt: Zwei Mal 15.000 Euro, ein Mal 25.000 Euro, ein Mal 40.000 Euro, ein Mal 60.000 Euro." MyPhone sei gegen einen Teil der Verurteilungen in Rekurs gegangen.

Verschiedenste Formen von Irreführung im Zusammenhang mit Vertragsabschlüssen und anschließend vehementes Einfordern der Zahlung sei eine häufige Taktik unseriöser Firmen, warnt Buchinger. Dazu gehöre auch das "Verstecken" wichtiger Informationen in Fußzeilen in einer derart kleinen Schriftgröße, dass diese mit freiem Auge fast nicht gelesen werden könnten.

Beispiel gefällig?
Beispiel für das Vorgehen von MyPhone: Herr M. wurde von einem angeblichen Mitarbeiter der Telekom Austria angerufen. Dieser stellte ihm einen neuen Tarif mit 150 Freiminuten vor. Herr M. nahm dieses Angebot an. Später kam das böse Erwachen, als Herr M. sowohl von der Telekom Austria als auch von My Phone Austria eine Telefonrechnung erhielt. Eine Belehrung über das gesetzliche Rücktrittsrecht fehlte, eine Kündigung wurde von My Phone aufgrund einer angeblichen 12-monatigen Mindestvertragsdauer abgelehnt. Die versprochenen Freiminuten wurden für Gespräche ins Mobilnetz nicht abgerechnet. Dass die versprochenen Freiminuten nur für Gespräche ins österreichische Festnetz gelten, stand lediglich im "Kleinstgedruckten". (apa/red)

31.3.2008 10:05