Mittwoch, 2. April 2008

Google entwickelt sich Richtung Desktop: Google-Docs wird zum Microsoft-Konkurrent

  • Dokumente können auch offline bearbeitet werden
  • Microsoft kommt Google auf halben Weg entgegen

In Zukunft soll man Google-Docs auch offline bearbeiten können. Dies ist ein bedeutender Schritt von der reinen Online-Applikation in Richtung Desktop. Doch auf diesem Weg lauern Gefahren. Microsoft entwicklt sich zeitgleich in die entgegen gesetzte Richtung. Damit droht ein scharfer Konkurrenzkampf zu entbrennen.

Google hat angekündigt, Google Docs um eine Option zur Bearbeitung von Textdokumenten auch ohne Internetverbindung zu erweitern. Ermöglicht wird das durch die JavaScript-APIs von Google Gears, die als Browser-Plug-in Rich Internet Applications auch Offline-Funktionalität ermöglichen. Dieser Schritt in Richtung Desktop könnte die Nutzerbasis von Google Docs ausweiten. "Eine große Anzahl von potenziellen Usern hat das Angebot bisher nicht genutzt, da es offline nicht zur Verfügung steht", ist IDC-Analyst Rüdiger Spies im pressetext-Gespräch überzeugt.

Elegante Lösung bei Verbindungsverlust
Um Dateien mit Google Docs auch offline bearbeiten zu können, muss ein Anwender zunächst Google Gears installieren. Damit können Dokumente nicht nur auf Googles Servern ("Cloud"), sondern bei Bedarf auch lokal gespeichert werden. "Solange ich eine Internetverbindung habe, wird jede Änderung auf der Cloud gespeichert. Falls ich meine Verbindung verliere, opfere ich einige Features, doch ich kann immer noch auf meine Dokumente zugreifen", beschreibt Philip Tucker, Software Engineer Google Docs, im offiziellen Google-Docs-Blog. So ist eine Bearbeitung von Dateien direkt im Browser etwa in Flugzeugen oder bei Verbindungsproblemen möglich. Wird wieder eine Verbindung zu den Google-Servern hergestellt, erfolgt eine automatische Synchronisation. "Diese Funktion ist sehr elegant", sieht Spies darin einen großen Vorteil.

Die Gears-Unterstützung in Google Docs gibt es zunächst nur in für Textdokumente und Anfangs nur "für einen geringen Prozentsatz" der Nutzer, so Tucker. Außerdem wird die Offline-Funktionalität zunächst nur in Englisch geboten. Das Rollout des Features soll über die nächsten Wochen erfolgen. Eine Unterstützung von Spreadsheets und Presentations ist geplant, auch sollen weitere Sprachversionen folgen. Konkrete Zeitpläne dafür wurden von Google allerdings noch nicht genannt. Google Gears selbst wurde bereits im Mai 2007 vorgestellt und ist inzwischen für Windows, Mac OS X, Windows und Windows Mobile verfügbar. Je nach Betriebssystem werden Versionen des Internet Explorers und/oder von Firefox unterstützt.

Schritt in Richtung Desktop
Mit der Erweiterung von Google Docs um Offline-Funktionalität setzt Google jedenfalls einen Schritt von der reinen Online-Applikation in Richtung Desktop-Anwendung. Tucker betont im offiziellen Blog den entstehenden Vorteil, Inhalte nicht mehr zwischen Online- und Desktop-Anwendung austauschen zu müssen. Microsoft wiederum geht derzeit mit dem Office Live Workspace für Microsoft Office den entgegen gesetzten Weg. "Als User Experience gehen die beiden Angebote genau in die gleiche Richtung", meint dazu IDC-Analyst Spies. Die beiden IT-Riesen steuern damit auf einen direkten Konkurrenzkampf im Bereich der Office-Anwendungen zu.

(pte/red)

Quelle: Pressetext

2.4.2008 15:53