Montag, 7. April 2008

Yahoo lehnt Offerte nicht grundsätzlich ab: Konzern beharrt auf Erhöhng des Angebotes

  • Bisher kein 'Weißer Ritter' für die Rettung in Sicht
  • Konzern bietet 45 Milliarden Dollar für Internetfirma

Yahoo lehnt Kreisen zufolge das Werben von Microsoft nicht mehr grundsätzlich ab. Allerdings verlange das Internet-Unternehmen, dass der weltgrößte Software-Konzern sein Übernahmeangebot von derzeit gut 42 Mrd. Dollar (26,7 Mrd. Euro) erhöhe, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Yahoo werde Microsoft seinen Standpunkt in einem Brief erläutern. Darin werde Yahoo zudem die Darstellung zurückweisen, dass sein Geschäft rückläufig sei.

Den Angaben zufolge hat Yahoo zugleich seine Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit der Time-Warner-Internetsparte AOL intensiviert. Auch mit Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation habe es Diskussionen über ein Abwehrbündnis gegeben, die sich aber mittlerweile abgekühlt hätten, hieß es am Sonntag weiter. Eine Yahoo-Sprecherin wollte sich zu den Angaben nicht äußern, ein AOL-Vertreter war zunächst nicht zu erreichen.

Erhöhter Druck auf Yahoo
Microsoft hatte am Wochenende seinen Druck erhöht und der Yahoo-Spitze ein dreiwöchiges Ultimatum gestellt, das Offert in Höhe von 31 Dollar je Aktie anzunehmen. Andernfalls werde man sich direkt an die Yahoo-Aktionäre wenden, um die bisher größte Übernahme in der Branche unter Dach und Fach zu bringen, schrieb Microsoft-Chef Steve Ballmer in einem Brief an das Yahoo-Direktorium. Das Ultimatum endet am 26. April - wenige Tage nach Veröffentlichung der Quartalszahlen beider Unternehmen.

Der Analyst Youssef Squali von Jeffries and Co. bewertete das Ballmer-Schreiben als taktischen Zug. Microsoft versuche, die Yahoo-Führung zur sofortigen Aufnahme von Verhandlungen zu bewegen. Er rechne aber weiterhin damit, dass die Übernahme zum derzeit gebotenen Preis über die Bühne gehe.

Kein Retter in Sicht
Als praktisch ausgeschlossen gilt an der Wall Street, dass ein "Weißer Ritter" auftaucht, der Yahoo mit eines Gegenofferts dem Zugriff von Microsoft entziehen könnte. Stattdessen sehen Anleger und Analysten im Wesentlichen zwei Abwehrmöglichkeiten für den Internet-Konzern: Yahoo könne sich entweder mit einem anderen Unternehmen zusammenschließen, um unter Beweis zu stellen, als eigenständiges Unternehmen mehr wert zu sein, oder den Markt mit einem starken Quartalsergebnis überraschen. Die zweite Option würde Analysten zufolge allerdings kaum die mittel- und langfristigen Sorgen über Yahoos Wachstumsaussichten zerstreuen.

Was die Bündnisoptionen angeht, pries das Yahoo-Management nach Angaben von Investoren noch vergangene Woche bei Treffen mit wichtigen Anlegern das Potenzial von Allianzen mit dem Konkurrenten Google oder AOL. Die Gespräche mit diesen Unternehmen seien "weit fortgeschritten".

(apa/red)

7.4.2008 12:51