Montag, 7. April 2008

Unterhaltsame Einlagen im BAWAG-Prozess:
Flöttl-Firma - Loss Capital statt Ross Capital

  • Heitere Momente erleichtern Sitz auf Anklagebank
  • "Jeder Idiot hat damals an der Börse gewonnen"

Mit langwierigen Prozeduren wurden größtenteils der bereits 88. Verhandlungstag im BAWAG-Strafprozess verbracht. Der Schöffensenat hantelte sich im seit Wochen laufenden "Fragemarathon" etwas weiter vor: Bis zur 300. Frage von Helmut Elsners Anwalt Wolfgang Schubert an Gutachter Fritz Kleiner, ist nun über Zulassung oder Ablehnung der Fragen entschieden. Der Anwalt hat bisher 550 Fragen gestellt und ebensoviele weitere angekündigt. Weiters wurde aus dem umfangreichen Gerichtsakt verlesen, bis zum Band 101 - von insgesamt rund 260 Ordnern - kam das Gericht heute.

Für Erheiterung sorgte am Vormittag Wolfgang Flöttl, als er die Frage von Staatsanwalt Georg Krakow nach dem Namen seiner früheren Firma "Ross Capital Management" freimütig beantwortete: "Wir haben den Namen nach dem Klang gewählt". Das habe sich aber als Nachteil erwiesen, erläuterte Flöttl: In Japan konnten die Leute nämlich das "R" nicht aussprechen, "sie sagten Loss Capital statt Ross Capital", erzählte der Spekulant. Für eine Finanzfirma ist der Name "Loss Capital" ("loss of capital" - Verlust des Kapitals) natürlich kein Renommee.

"Wie beim Jüngsten Gericht"
Schmunzeln im Gerichtssaal verursachte auch Ex-BAWAG-Chef Elsner, als der Staatsanwalt mit lauter Stimme seine Stellungnahmen zu den Fragen des Anwalts von Elsner an Gutachter Kleiner vortrug. "Können Sie den Staatsanwalt ersuchen leiser zu schreien, ich komm' mir hier vor wie beim Jüngsten Gericht", sagte der Angeklagte zur Richterin. Elsner sitzt auf der Anklagebank gleich vor dem Staatsanwalt.

Der mitangeklagte frühere BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker sorgte für Erheiterung, als er Flöttls verlustreiche Spekulationen ins Visier nahm: "Zwischen 1998 und 2000 hat jeder Idiot an der Börse gewonnen, da muss man schon vermuten dass hier gezielt Verluste gemacht wurden", empörte sich Schwarzecker. Bis zum Jahr 2000 habe es an den Börsen große Aufwärtsbewegungen gegeben, die erst 2001 ausgelaufen seien. Dass Flöttl bei der Merger-Arbitrage nicht in gewinnträchtige Technologietitel hineinging, sei für ihn "unverständlich", meinte Schwarzecker. Die BAWAG habe damals selbst mit dem Verkauf von max.mobil einen riesigen Gewinn gemacht.

Eine Verlesung fand in verteilten Rollen statt: Dabei nahm Richterin Claudia Bandion-Ortner die Rolle einer Mitarbeiterin von Wolfgang Flöttl in New York, Donna Reilly, ein, während der Staatsanwalt die Fragen vonseiten der Ermittlungsbehörden in New York an Reilly vorlas. 1998 und 2000 sei Flöttl zu ihr ins Büro gekommen und habe von "schrecklichen Handelsverlusten" gesprochen, daher müsse er Mitarbeiter abbauen. Von 20 oder 30 Mitarbeitern im Jahr 1995 bei Ross Capital Management wurde laut Reilly auf zuletzt drei Mitarbeiter abgebaut. Die von Reilly geschilderte Dimension von Flöttls Firma Ross Capital ist damit deutlich geringer, als Flöttl selber darstellte. Im Prozess hatte Flöttl auch gesagt, er habe nach dem ersten großen Totalverlust im Herbst 1998 neue Gelder der BAWAG in Millionenhöhe für seinen "Overhead" verwendet, um seinen Mitarbeiterstab abzubauen und Bonuszahlungen zu leisten.

(APA/red)

7.4.2008 16:45