Arbeitsmarkt sehr gut, aber nicht "spitze": Erwerbsquote bei Älteren & Frau zu niedrig
- Internationaler Vergleich: Achter Platz für Österreich
- Dänemark, gefolgt von Schweden & Irland an Spitze
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Österreicher können sich immer weniger leisten
Österreichs Arbeitsmarkt ist im internationalen Vergleich sehr gut, aber nicht spitze. Dies ergab eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS). Schwächen seien die niedrige Erwerbsquote bei älteren Arbeitskräften und das hohe geschlechtsspezifische Erwerbs- und Verdienstgefälle, betonte Instituts-Chef Bernhard Felderer.
Laut Studie lieg Österreich im EU-27-Vergleich bei der Beschäftigung der 55- bis 64-Jährigen mit einer Erwerbsquote von 36,8 Prozent an 19. Stelle. Kritik übte Felderer am Pensionssystem. Es fehlen Anreize, um länger zu arbeiten. Das Gegenteil sei der Fall, es gebe mehr Anreize, um früher in Pension zu gehen. Wenn fast die Hälfte der Nation aus Invaliditätsgründen in Pension gehe, "kann was nicht stimmen". Beim Pensionssystem bestehe größter Handlungsbedarf. "Wir waren politisch nicht handlungsfähig auf diesem Gebiet", so Felderer. Wenn es gelänge, die Beschäftigung der 55- bis 64-Jährigen spürbar zu erhöhen, würde das auch die Finanzierung des Pensionssystems erleichtern.
Kritik an Unternehmen
Kritik übten die Wirtschaftsforscher aber auch an den Unternehmen. Diese hätten ältere Beschäftigte auf Kosten der Allgemeinheit in Pension geschickt, so Arbeitsmarkt-Experte Helmut Hofer. Sehr viel Geld sei dabei in die Altersteilzeit geflossen, die dazu geführt habe, dass die Beschäftigung bei den Älteren gesunken sei. Aber auch die Jugendarbeitslosigkeit habe sich negativ entwickelt. Die Situation sei nicht mehr so gut wie früher, so Hofer.
In die aktuelle Arbeitsmarktstudie wurden neben den Basisindikatoren wie Beschäftigungsquote, Erwerbsquote, Arbeitslosenquote und Langzeitarbeitslosigkeit sieben weitere Indikatoren einbezogen. Dabei hat Österreich vor allem bei den sozialen Indikatoren wie der Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen, der Jugendarbeitslosenquote und Geschlechtsspezifischen Indikatoren weniger gut abgeschnitten. Weit vorne liegt Österreich hingegen wieder bei den Kriterien Bildungsstand der Jugendlichen, Erwachsenenbildung und Arbeitsproduktivität.
Platz 8 unter 27 Teilnehmern
Unter Einrechnung aller elf Indikatoren nimmt Österreich unter den 27 EU-Ländern den 8. Platz ein. Spitze ist Dänemark, gefolgt von Schweden, Irland, Finnland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Zypern. Österreich schneidet jedoch deutlich besser ab als z.B. Deutschland (Rang 16), Spanien (17), Frankreich (18), Italien (21) und Griechenland (22). Schlusslicht sind die Slowakei und Polen (27).
Werden nur die Basis-Indikatoren verglichen, hält Österreich Rang 5 nach Dänemark, Zypern, Schweden und dem Vereinigten Königreich.
Besonders gut schneidet Österreich mit einem 5. Platz bei der Arbeitsproduktivität ab. Auf Stunden umgelegt würde Österreich sogar auf den 3. Platz vorrücken, so die Wirtschaftsforscher. Damit liegt Österreich auch deutlich vor Deutschland mit Rang 13. In diesem Zusammenhang verwies Felderer auf einen Vergleich zwischen der Voest und dem deutschen Stahlriesen Thyssen. Die Produktivität bei der Voest sei deutlich besser gewesen.
Deutlichen Nachholbedarf hat Österreich bei den Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen. Hier hält Österreich im EU-Vergleich lediglich den 21. Platz, hinsichtlich des geschlechtsspezifischen Beschäftigungsgefälles den 17. Rang.
(apa/red)

