Freitag, 4. April 2008

Demonstration bei angeschlagener Alitalia: Mitarbeiter für Kauf durch Air France-KLM

  • Spannungen zwischen Belegschaft & Gewerkschaften
  • Regierung drängt auf Neuaufnahme der Gespräche

Bei der angeschlagenen italienischen Fluglinie Alitalia ist es zu Spannungen zwischen Teilen der Belegschaft und den Gewerkschaften gekommen. Eine Gruppe von Mitarbeitern Fluggesellschaft demonstrierte in Rom gegen die Gewerkschaften, die für das Scheitern der Verhandlungen mit Air France-KLM verantwortlich gemacht werden. "Ich bin nicht einverstanden!", hieß es auf einem Plakat.

Die Demonstranten erklärten, Air France-KLM sei die einzige Rettung für Alitalia. Sie starteten mit einer Unterschriftensammlung unter den 10.000 Mitarbeitern der noch staatlichen Fluggesellschaft in der Hoffnung, dass die Gespräche zwischen Air France-KLM wieder aufgenommen werden. "Wir fühlen uns von den Gewerkschaften nicht vertreten. Alitalia muss weiterleben. Das Scheitern der Verhandlungen mit Air France-KLM bedeutet für Alitalia die Pleite", sagte ein Sprecher der Demonstranten.

Chancen auf ein Überleben?
Alitalia will der Regierung in Rom demnächst mitteilen, ob sie noch Chancen auf ein Überleben des Unternehmens sieht. Am Mittwoch waren die Gespräche über den Verkauf der Alitalia an Air France-KLM vorerst geplatzt.

Allerdings zeigten sich die Gewerkschaften, die den Sanierungsplan von Air France abgelehnt hatten, zu neuen Gesprächen bereit. Sie seien offen für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, erklärten acht von neun Alitalia-Gewerkschaften.

Nach den gescheiterten Verhandlungen war Alitalia-Präsident Maurizio Prato, ein Befürworter des Verkaufs, zurückgetreten. Sein Nachfolger soll der prominente Anwalt Aristide Police werden, wie Alitalia bekanntgab.

Regierung drängt auf Neuaufnahme der Gespräche
Die italienische Regierung drängt auf eine sofortige Wiederaufnahme der gescheiterten Gespräche zwischen Air France-KLM und den italienischen Gewerkschaften über die Übernahme der Alitalia. "Alitalia hat die große Chance, sich in Europas größte Fluggesellschaft zu integrieren. Diese Gelegenheit darf das Land nicht versäumen", sagte Staatssekretär Enrico Letta nach Angaben italienischer Medien. Letta hat von der Regierung Prodi am Donnerstag den Auftrag erhalten, bei Air France-KLM die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Gespräche zu sondieren.

Auch Arbeitsminister Cesare Damiano meinte, es gebe keine Alternative zur Wiederaufnahme der Verhandlungen. Man müsse um jeden Preis den Bankrott der Alitalia vermeiden. Er appellierte an die Gewerkschaften zu Verantwortungsbewusstsein.

Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" attackierte die Alitalia-Gewerkschaften scharf. Die Gewerkschaften hätten im Namen von mehr Beschäftigung über Jahre hinweg das Unternehmen mit aufgeblasen, während die Politik Geld zugeschossen habe, um die Gewerkschaften ruhig zu halten. Die kommissarische Verwaltung von Alitalia, von der nun gesprochen werde, werde die Flotte an den Boden festketten und zu Kündigungen führen, die über die Pläne von Air France hinausgingen.

(APA/red)

4.4.2008 11:46