Donnerstag, 3. April 2008

Milchwirtschaft hält die Preise weiter hoch:
Für Konsument bleiben Kosten jedoch stabil

  • Milchbauern konnten Umsatz um 10 Prozent steigern
  • Zahl der Milchbauern sank 2007 um 5 % auf 43.500

Die Milchbauern und die Molkereien haben 2007 höhere Preise für ihre Erzeugnisse erhalten. Mitte des Jahres kam es zu einer deutlichen Belebung des Marktes. Die österreichischen Milchverarbeiter bezahlte den Milchbauern deutlich bessere Preise aus - die durchschnittlichen Erzeugerpreise ab Hof erhöhten sich gegenüber dem Jahr davor von 33,48 auf 37,80 Cent je Kilogramm Milch (plus 12,9 Prozent). Die Milchverarbeiter wollen das erreichte Preisniveau eigenen Angaben zufolge heuer halten und mittel- bis langfristig weiter erhöhen.

Für die Konsumenten sollte sich der Milchpreis heuer stabil halten, sagte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Günther Geislmayr bei einer Pressekonferenz. Da die Rohstoffpreise generell massiv zugelegt hätten, die Nachfrage nach Milch weltweit steige und praktisch Lagerbestände abgebaut seien, würden die Preise mittel- und längerfristig "nicht dramatisch, aber doch nach oben gehen".

Umsatz um 10 Prozent gesteigert
Die heimischen Milchverarbeiter haben ihre Umsätze 2007 um 10 Prozent gesteigert und die 2-Milliarden-Euro-Schwelle erreicht. Die Milchanlieferung lag 2007 mit 2,66 Mio. t um 0,4 Prozent unter dem Niveau von 2006. Das Ergebnis der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) wurde von 1,1 auf 1,4 Prozent des Umsatzes leicht gesteigert. Der Cash-Flow erhöhte sich von 4,5 Prozent auf 4,9 Prozent des Umsatzes. Der Verwertungserlös je Kilogramm eingesetzter Milch sei von 65,06 Cent auf 70,9 Cent gesteigert worden, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ.

Weniger Milchbauern
Die Zahl der Milchbauern verringerte sich 2007 von 45.800 um fünf Prozent auf 43.500. Die Anzahl der Kühe hat sich um rund ein Prozent verringert, deren Leistung hat sich aber weiter erhöht. Damit beträgt die durchschnittliche Milchablieferung 61.000 kg pro Jahr und Milchbauer.

Die österreichischen Molkereien erhöhten die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inklusive Mehrwertsteuer) von 33,48 Cent/kg im Jahr 2006 um 12,9 Prozent auf 37,80 Cent/kg im Jahresdurchschnitt 2007. Besonders markant sei die Steigerung der Preise zum Jahresende ausgefallen - im Dezember 2006 wurden noch 36,65 Cent/kg ausbezahlt, im Dezember 2007 waren es mit 47,64 Cent/kg um 30 Prozent mehr). "Damit lagen die Milchpreise erstmals wieder leicht über dem Niveau vor dem EU-Beitritt vor 14 Jahren", so Geislmayr.

Die Bauern müssten damit auch die erhöhten Gestehungskosten bei Futtermittelpreisen und anderen Vorleistungen ausgleichen. Es werde daher auch versucht, nach Möglichkeit das Auszahlungspreisniveau weiterhin beizubehalten, so die VÖM. Die Molkereien klagen über höhere Rohstoffkosten und massive Kostensteigerungen in den Bereichen Energie, Verpackung und Transport, die auf die Ertragsspanne drückten.

Der internationale Vergleich zeigt:
Österreichs Milchpreise befinden sich derzeit über dem EU-Durchschnittsniveau. "Wir positionieren uns erfolgreich mit der Herkunft und der gentechnikfreien Fütterung", erklärte Geislmayr. Die Preise seien im letzten Jahr dem internationalem Markttrend nach oben gefolgt.

Der internationale Milchpreisvergleich von LTO Niederland ergebe für Österreich für 2007 einen Vergleichswert von 33,73 Cent/kg (Basis: 4,2 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß bei 500.000 kg Jahresanlieferung, ohne Umsatzsteuer) und liege damit über dem Durchschnitt der übrigen internationalen Molkereien mit 32,18 Cent/kg.

Während in benachbarten Regionen mit Beginn des Jahres 2008 bereits Abwärtstendenzen beim Milchpreis zu vermelden waren, haben die österreichischen Molkereien den Milchpreis heuer in den ersten Monaten gehalten bzw. weiter ausgebaut - "ein Bestreben, das auch für die Zukunft bestmöglich versucht wird", so der VÖM-Präsident. (APA/red)

3.4.2008 13:45