Gibt Telekom 2.500 Beamte an Staat ab? ÖIAG soll bei "Festnetz-Sanierung" helfen
- Maßnahme um schrumpfenden Bereich zu entlasten
- Wird ÖIAG bald gesamtes Festnetz "umgehängt"?

·Telekom Austria laut
EU noch zu dominant
PLUS: Nachholbedarf für Breitband in Österreich
·Festnetz-Talfahrt will
kein Ende nehmen
Insbesondere ärmere Haushalte melden es ab
·Konflikt bei Telekom Austria ausgebrochen
Personaleinsparungspläne sorgen für Aufregung
Die Telekom Austria (TA) will 2.500 Beamte, für die der Konzern bald keine Verwendung mehr hat, in der Staatsholding ÖIAG, dem TA-Hauptaktionär, "parken", berichtet eine österreichische Tageszeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Die Auslagerung soll helfen, den schrumpfenden Festnetz-Bereich zu entlasten.
ÖIAG-Manager seien in Sachen "Beamtengesellschaft" schon bei Kanzler und Vizekanzler vorstellig geworden, der TA-Aufsichtsrat diskutierte sogar darüber, das Festnetz komplett an den Staat zurück zu geben, so berichtet der "Standard". In der TA, ÖIAG und den Ministerien wolle man offiziell zu diesen Plänen nichts sagen, heißt es weiter.
Wie von TA-Kapitalvertretern gegenüber dem "Standard" bestätigt wurde, soll der informell als "Beamtengesellschaft" bezeichnete Parkplatz direkt bei der ÖIAG eingerichtet werden. Von der zu 100 Prozent in Bundesbesitz befindlichen Verstaatlichtenholding will sich die TA nur jene der insgesamt 6.900 Beamten zurückleasen, die sie für das operative Geschäft, also den Betrieb des Festnetz-Schrumpfgeschäfts, tatsächlich braucht.
TA-Festnetzchef Rudolf Fischer wollte laut Zeitung dazu keinen Kommentar abgeben. Fischer habe aber auch nicht dementiert. Die von der TA nie bestrittene Größenordnung von 2.500 bis 3.000 überzähligen Beschäftigten, relativierte Fischer: Das sei nur dann der Fall, wenn die technische Aufrüstung des Festnetzes auf IP-basierte Netztechnologie erfolge. Davon könne derzeit allerdings noch nicht die Rede sein, denn für den groß angelegten, österreichweiten Ausbau des Glasfasernetzes liegen bis jetzt keine Organbeschlüsse vor, heißt es weiter. Bis dato gebe es nicht einmal nachvollziehbare Kalkulationen, kritisierten TA-Kapitalvertreter. Es gehe um Investitionen in einer Größenordnung von einer Milliarde Euro, die über drei bis fünf Jahre verteilt investiert würden.
Über sie wolle Fischer allerdings erst reden, "wenn das regulatorische Umfeld passt und wir sicher sein können, dass wir die Kapitalkosten auch zurückverdienen können".
Verschlossen reagierten bezüglich Beamtengesellschaft laut "Standard" ÖIAG und Bundeskanzleramt (BKA). Beide wollten dazu nichts sagen. Beim BKA halte man von den Plänen aber nicht viel.
Gravierende Einschnitte könnten übrigens auch beim Festnetz selbst anstehen. Im Aufsichtsrat wurde auch diskutiert, der ÖIAG nicht nur die Beamten, sondern gleich das ganze Festnetz umzuhängen. Um die TA-Aktionäre nicht zu enteignen, müsste die staatliche ÖIAG der TA das auf Kosten der Steuerzahler errichtete milliardenschwere Netz aber abkaufen. "Das wäre absurd", heißt in ÖIAG-Kreisen.
(apa/red)

