Plant Mugabe Rachefeldzug? Ausland soll laut Opposition Blutvergießen verhindern
- Simbabwe: Keine Ergebnisse über Präsidentenwahl
- Wurde laut Wahlkommission von der MDC gewonnen

·Mugabe streitet seine
Wahlniederlage ab
Simbabwe: Fordert Stich- wahl gegen Tsvangirai
·Simbabwe: Wahlsieg
geht an die Opposition
Amtierender Präsident Mugabe gibt nicht auf
·Simbabwe derzeit
"hoffnungsloser Fall"
Land in Afrika "mit gebrochener Gesellschaft"
Die Opposition in Simbabwe hat im Konflikt mit Präsident Robert Mugabe um die Präsidentschaftswahlen das Ausland um Hilfe gebeten. "Die internationale Gemeinschaft sollte Mugabe davon überzeugen, den Willen des Volkes von Simbabwe zu akzeptieren", sagte Oppositionssprecher Nelson Chamisa. Der Präsident bereite einen "Krieg gegen die Bevölkerung" vor, meinte Oppositionsführer Morgan Tsvangirai vor Journalisten in Harare. Deswegen zögere seine Partei, die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), noch, ob sie an einer Stichwahl teilnehmen solle. Dies sei nicht unbedingt nötig, da er die Präsidentenwahl gewonnen habe.
Das offizielle Ergebnis des Urnengangs stand weiterhin aus. Die Opposition wollte die Veröffentlichung vor Gericht erzwingen. Die MDC geht davon aus, dass Tsvangirai schon im ersten Durchgang 50,3 Prozent der Stimmen erzielt hat. Der 84-jährige Mugabe, der sich seit der Wahl selbst noch in keiner Weise geäußert hat, war am Freitagabend von seiner Regierungspartei ZANU-PF zum Kandidaten für die Stichwahl ernannt worden, obwohl offiziell noch kein Ergebnis des Urnengangs vorlag.
Die Opposition warnte vor Gewalt und Blutvergießen und erinnerte an ein Verfassungsreferendum im Jahr 2000, das Mugabe verloren hatte. Nach der Abstimmung hatten Horden von Schlägern weiße Farmer angegriffen, weil diese ihre schwarzen Angestellten gedrängt hätten, gegen Mugabe zu stimmen. Dutzende Menschen wurden damals getötet. Mugabe "wurde beim Referendum im Jahr 2000 geschlagen, und wir wissen alle, welche Gewalt darauf folgte", sagte Chamisa. Diesmal solle die internationale Gemeinschaft vorher aktiv werden, und nicht erst "nach dem Blutvergießen".
Erste Anzeichen für ein mögliches Eingreifen der Regierung waren die Festnahmen von zwei ausländischen Journalisten, die weiter festgehalten wurden. Die Anwälte der Journalisten, ein US-Bürger und ein Brite, wurden daran gehindert, in das Gerichtsgebäude in Harare einzutreten, um eine Freilassung ihrer Mandanten zu erzwingen. Das Hohe Gericht sei über das Wochenende geschlossen, sagte Andrew Makoni, einer der Anwälte. Diese Tatsache erschwerte auch das Anliegen der MDC, die die Offenlegung der Wahlergebnisse durchsetzen wollte. Nach intensiven Bemühungen um eine Anhörung teilte MDC-Anwalt Alec Muchadehama mit, die Angelegenheit sei vertagt worden.
Die amtliche Wahlkommission hatte zuvor argumentiert, dass das Wahlergebnis laut Gesetz zwar innerhalb von sechs Tagen nach der Abstimmung veröffentlicht werden muss. Nirgendwo sei aber von Kalendertagen die Rede. Dies könnte nach Meinung von Beobachtern eine Verzögerung bedeuten.
Keine Reaktion auf "Hilferuf"
Bei Simbabwes Nachbarn stießen die Rufe nach internationalem Beistand zunächst auf taube Ohren. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki meinte bei einem Besuch in Großbritannien, die Situation sei "handhabbar": "Ich glaube, es ist noch Zeit, warten wir die Ergebnisse ab".
Mugabe und seine Partei ZANU-PF beherrschen Simbabwe seit 28 Jahren. Kritiker werfen ihnen vor, die einstige Kornkammer Afrikas in den vergangenen Jahren praktisch in den Ruin gewirtschaftet zu haben. Die Inflationsrate liegt bei über 100.000 Prozent, Grundnahrungsmittel sind knapp, und die Arbeitslosigkeit grassiert. Hunderttausende Simbabwesen haben angesichts der Krise bereits ihre Heimat verlassen. (apa/red)
