Irak stoppt nun Offensive gegen Schiiten: Kurswechsel nach Befehlsverweigerungen
- Auch Gegner forderten "Ende des Blutvergießens"
- Bush: Irak solle sich 'krimineller Elemente' entledigen
Der irakische Regierungschef All-Maliki hat ein Ende der Militäroperationen gegen die Miliz des radikalen schiitischen Predigers Al-Sadr angeordnet, nachdem dieser seine Anhängerschaft aufgefordert hat, in Millionenstärke gegen die US-Präsenz im Land zu demonstrieren. Noch am Vorabend hatte Maliki die kompromisslose Fortsetzung der Offensive gegen die von Sadr befehligte "Mahdi-Armee" angekündigt.
Der Premier war von US-Präsident George W. Bush aufgefordert worden, sich "krimineller Elemente" zu entledigen. Zum Stopp der Regierungsoffensive hat offenbar der Iran beigetragen, den die USA beschuldigen, die Gewalt zu schüren. Sadr hält sich nach US-Angaben derzeit im Iran auf.
Befehlsverweigerung
Viele irakische Soldaten hatten während der von Maliki angeordneten Offensive gegen die Mahdi-Miliz in der südlichen Hafenstadt Basra und in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr City in der vergangenen Woche den Befehl verweigert. Unter den Befehlsverweigerern waren Schiiten, die nicht auf "schiitische Brüder" hatten schießen wollen, und Soldaten, die mögliche spätere Racheakte der Milizionäre fürchteten. Bei den Kämpfen der vergangenen Woche kamen nach offiziellen Angaben mindestens 461 Menschen ums Leben.
Al-Sadr hat seinerseits ein "Ende des Blutvergießens und der Festnahmen" gefordert. Die Sadr-Bewegung sei bereit, der Regierung zu helfen, Armee und Polizei von Anhängern des alten Saddam-Regimes, Terroristen und Parteimilizionäre zu "reinigen", hieß es in einer Erklärung des Schiitenführers.
Selbstmordattentat
Ein Selbstmordattentäter hat unterdessen während der Beisetzung eines Polizisten in der Provinz Diala mindestens 20 Menschen mit in den Tod gerissen. Ein Polizeisprecher sagte, der Terrorist habe sich in Sadiya in den Trauerzug eingereiht. Er zündete seinen Sprengstoffgürtel, während Familienangehörige, Kollegen und Freunde den Polizisten zu Grabe trugen, der am Vortag von Extremisten erschossen worden war.
(APA/red)
