Freitag, 4. April 2008

3 Monate Haft für 'Ehrenmord' in Jordanien: Opfer kümmerte sich nicht um Konventionen

  • Jordanier tötete seine Schwester wegen Familienehre
  • Verurteilung wegen "minderen Vergehens" möglich

Ein Jordanier, der seine Schwester erschossen hat, muss nur für drei Monate hinter Gitter. Der 30-Jährige hatte angegeben, er habe die verheiratete Schwester getötet, "weil sie die Familienehre beschmutzt hat". Die Mutter von zwei Kindern soll für mehrere Tage "ohne Erlaubnis ihres Ehemannes" das Haus verlassen haben. Laut den Richtern habe das Opfer zuvor eine "gefährliche Tat" begangen. In dem Urteil heißt es dazu: "Das Opfer kümmerte sich weder um die Konventionen noch um das Ansehen ihrer Familie."

Im vergangenen Jahr war in Jordanien ein 30 Jahre alter ägyptischer Bauarbeiter zu sechs Monaten Haft verurteilt worden, der seine drei Jahre jüngere Frau erdrosselt hatte. Die Ehefrau hatte angeblich ein Verhältnis mit einem 17-Jährigen gehabt. Frauenverbände und Menschenrechtsgruppen kämpfen in Jordanien seit Jahren vergeblich gegen die sogenannten Ehrenmorde. Das jordanische Recht erlaubt es den Richtern, den Angeklagten wegen eines "minderen Vergehens" zu verurteilen, wenn er "in einem Moment der Wut" einen Mord begeht.

(APA/red)

4.4.2008 12:03