Darabos wird EUFOR-Soldaten besuchen: Verteidigungsminister reist in den Tschad
- Treffen mit Staatspräsident Idriss Deby geplant
- 160 österreichische Soldaten bei den Schutztruppen
·Bundesheer bleibt nicht ewig im Tschad
Darabos betont zeitliche Befristung der Mission
Verteidigungsminister Norbert Darabos wird zu einem Besuch des österreichischen EUFOR-Kontingents in den Tschad reisen. Im Rahmen einer EU-Mission sind dort - vorwiegend im östlichen Grenzgebiet des zentralafrikanischen Landes zur sudanesischen Krisenregion Darfur - insgesamt rund 3.700 Soldaten stationiert, um für den Schutz Hunderttausender Flüchtlinge und der sie betreuenden Hilfsorganisationen zu sorgen. Österreich ist an der EUFOR-Mission mit rund 160 Soldaten beteiligt.
Darabos wird neben seinem Besuch bei den österreichischen Soldaten im Tschad auch mit Staatspräsident Idriss Deby zusammentreffen und Gespräche mit tschadischen Regierungs- und Oppositionspolitikern sowie dem Oberkommandierenden der EUFOR-Mission, dem irischen General Patrick Nash, führen.
Extreme Bedingungen in Flüchtlingslagern
In riesigen Flüchtlingslagern vorwiegend im Osten des Tschad drängen sich fast eine halbe Million Menschen unter extremen Bedingungen. Knapp die Hälfte von ihnen sind vor den blutigen Auseinandersetzungen in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur geflüchtet, rund 180.000 wurden durch die immer wieder aufflammenden Konflikte im Tschad zu Vertriebenen im eigenen Land, der Rest sind zum Großteil Flüchtlinge aus der südlich angrenzenden Zentralafrikanischen Republik. Sie sind sowohl den Kämpfen zwischen tschadischen Regierungstruppen und Rebellen als auch Überfällen marodierender Banden ausgesetzt. Raubüberfälle, Misshandlungen und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung.
Die EU hatte sich daher im Vorjahr nach langen Diskussionen zur Entsendung einer europäischen Schutz-Truppe unter UN-Mandat entschlossen, um die Arbeit des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) und von Flüchtlingshilfsorganisationen wie "Ärzte ohne Grenzen", CARE oder Oxfam zu sichern. Insgesamt nehmen 21 der 27 EU-Staaten an der Mission teil, den Löwenanteil bestreitet aber Frankreich mit über 2.000 Mann. Österreich hat die Entsendung von 160 Soldaten zugesagt, von denen sich derzeit 153 - darunter auch drei Frauen - im Tschad aufhalten. Sie rekrutieren sich hauptsächlich aus Jagdkommandosoldaten, Ärzten und Sanitätern.
Der EUFOR-Einsatz ist international - wegen des starken Übergewichts der früheren Kolonialmacht Frankreich - wie auch in Österreich nicht unumstritten. Paris hatte angesichts der zögerlichen Zusagen anderer Staaten sein Kontingent aufgestockt und damit erst den Weg für den Einsatz geebnet. Diese Dominanz Frankreichs, das schon seit Jahren Soldaten im Tschad stationiert hat und Präsident Deby bereits 2006 eine vom Sudan gesteuerte Rebellenoffensive niederzuschlagen half, weckte trotz mannigfaltiger Dementis von Anfang an Kritik an der vermeintlich zweifelhaften Neutralität der EUFOR.
Harte Kritik an Einsatz
Nicht zuletzt aufgrund dieser Konstellation geißelte die Opposition in Österreich die heimische Beteiligung an dem Einsatz vom ersten Tag an und fordert seither ihre möglichst rasche Beendigung. Bestärkt wurde diese Haltung, als eine erste Vorhut der heimischen EUFOR-Truppe Ende Jänner unmittelbar nach ihrer Ankunft in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena von einer massiven Rebellenoffensive überrascht wurde und in der Folge zunächst im Keller eines Hotels und später im EUFOR-Camp am Flughafen der Hauptstadt festsaß, bis die Kampfhandlungen abgeebbt waren und sich die Rebellen zurückgezogen hatten. Erst Mitte März konnten die Österreich schließlich in ihr eigentliches Einsatzgebiet in Abeche im Osten des Tschad verlegt werden.
Just die anfänglichen militärischen Erfolge der Rebellen, die bis in die Hauptstadt vordrangen und vermutlich nur an Nachschubproblemen und der Kontrolle des Flughafens durch die französischen Truppen scheiterten, dienen dem Verteidigungsminister nun als Beleg für die Unparteilichkeit Frankreichs: Dass es den Rebellen überhaupt möglich war, bis N'Djamena vorzudringen, zeigt für Darabos, dass Paris Neutralität wahrte. Der Minister strebt eine Verlängerung der derzeit mit 30. Juni befristeten Mission bis März 2009 an, um sie - die erforderliche Stabilität der Lage vorausgesetzt - in eine reguläre UNO-Mission überführen zu können.
(APA/red)
