Opposition gewinnt Wahlen in Simbabwe: Präsident Mugabe will noch nicht aufgeben
- Offizielle Mehrheit geht an demokratische Opposition
- Plassnik sieht im Wahlausgang Chance für Simbabwe
Im südafrikanischen Simbabwe zeichnet sich ein erbitterter Kampf um die Macht im Staat ab. Der seit 28 Jahren regierende Präsident Robert Mugabe werde nicht aufgeben und sich notfalls einer Stichwahl um das Präsidentenamt stellen, erklärte Vize-Informationsminister Bright Matonga im britischen Sender BBC. Ihre Parlamentsmehrheit hat Mugabes regierende ZANU(PF) bereits an die Opposition verloren.
"Er hat Unterstützung von den Sicherheitskräften und der ZANU(PF)", sagte Matonga, und betonte: "Präsident Mugabe wird bis zum Letzten kämpfen, er gibt nicht auf!" Mugabe hat den ersten Durchgang der Präsidentenwahl allerdings auch nach den Hochrechnungen seiner eigenen Partei verloren. Die Opposition hatte bereits erklärt, ihr Kandidat habe in der ersten Runde die absolute Mehrheit der Stimmen erzielt, weshalb eine Stichwahl nicht erforderlich sei.
Offizielle Mehrheit geht an Opposition
Bei der Parlamentswahl hat die Opposition nach der offiziellen Zählung mit 109 der insgesamt 210 Sitze die Mehrheit im Parlament errungen. Mugabes Partei ZANU(PF) kommt auf 97 Sitze. Matonga zeigte sich zuversichtlich, dass bei der nun bevorstehenden Auszählung der Wahl für den Senat die Regierungspartei die Nase vorne haben werde. Erst danach wird das Ergebnis der vor fünf Tagen zeitgleich durchgeführten Präsidentenwahl bekanntgegeben. Bei ihr wird ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai und Mugabe erwartet. "Wenn es zu einer Stichwahl kommt, sind wir bereit für diesen zweiten Durchgang", sagte Matonga. "Wir sind überzeugt, dass Präsident Robert Mugabe diesmal gewinnen wird."
Mugabe hat sich fünf Tage nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in seinem Land erstmals wieder öffentlich gezeigt. Das staatliche Fernsehen in dem südostafrikanischen Land sendete Bilder von dem 84-Jährigen bei einem Treffen mit Wahlbeobachtern der Afrikanischen Union (AU). Mugabe war lächelnd an der Seite des früheren Präsidenten von Sierra Leone, Ahmed Tejan Kabbah, zu sehen, der die Beobachtermission der AU bei den Wahlen geleitet hatte. Äußerungen von Mugabe wurden allerdings nicht übertragen. Kabbah beschrieb Mugabes Auftreten anschließend in einem Fernsehinterview als "entspannt".
Plassnik sieht Chance für Simbabwe
Außenministerin Ursula Plassnik bezeichnete den Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen als "Chance für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Neuanfang in diesem einst blühenden Land." Durch eine "demokratische Renaissance" könne Simbabwe wieder zu einem positiven Faktor der regionalen Entwicklung werden. "Den Menschen sind Möglichkeiten und Freiheiten wiederzugeben", forderte Plassnik. "Wir erwarten nun auch die baldige offizielle Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen. Auch hier muss dem Willen der Wählerinnen und Wähler ohne jeden Abstrich entsprochen werden." (APA/red)

