Ein Jahr nach der ORF-Programmreform: Stimmung am Küniglberg ist wieder besser
- Ergebnis 2007 ausgeglichen, Werbeerlöse stabil
- Kommende Herausforderungen: EURO 2008 & HDTV
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Wechsel zu 'Im Zentrum' und zum 'Runden Tisch'
Ein Jahr nach der Programmreform im ORF-Fernsehen hat sich die Stimmung am Küniglberg wieder gehoben. "Wir stehen deutlich besser da, als es uns die öffentliche Meinung vor ein paar Monaten attestiert hat", bilanziert ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im Interview mit der APA. Die großen Herausforderungen der kommenden Monate sind die Übertragung der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land und der Start des hochauflösenden High-Definition-Fernsehens.
"Wir haben 2007 ein ausgeglichenes Ergebnis, wir haben unsere Werbeerlöse gegenüber 2006 stabil gehalten, die gesetzlich vorgegebene DVB-T-Einführung umgesetzt und Budget, Gebührenanpassung und Lohnrunde im Stiftungsrat mit teilweise großen Mehrheiten beschlossen. Wir haben wichtige Rechtefragen wie die Bundesliga, die ÖSV-Skiübertragungen oder das Neujahrskonzert geklärt, haben einen sehr guten Radiotest, und im Fernsehen entwickeln sich viele Dinge sehr gut. Insofern sind wir für 2008 gut gerüstet", so Wrabetz.
Marktanteile bei ca. 40 Prozent
Die Marktanteile im Fernsehen haben sich nach dem Rückgang im Vorjahr inzwischen erholt und um die 40 Prozent eingependelt. Zugesetzt hat dem ORF-Fernsehen vor allem die fortschreitende Digitalisierung. Konnte ein durchschnittlicher Kabel- und Satellitenhaushalt vor zehn Jahren noch 33 Fernsehprogramme empfangen, so sind es inzwischen bereits 67 Kanäle, in Haushalten mit digitalen Satellitenempfängern können um die 200 Programme gesehen werden. Und durch die Umstellung auf digitale Terrestrik hat der ORF zwischenzeitlich bis zu 350.000 Österreicher, die keinen ORF-Empfang hatten, "technisch verloren", berichtet Wrabetz. Diese Zahl habe sich mittlerweile wieder auf 70.000 reduziert.
Wrabetz räumt Fehler ein
Dass im Rahmen der TV-Programmreform auch Fehler gemacht wurden, stellt Wrabetz nicht in Abrede. "Mit der Weisheit des Rückblicks hätten wir natürlich manches anders gemacht. Im vorigen Jahr sind im deutschsprachigen Raum 114 Formate schiefgegangen und drei davon gehen halt auch auf unsere Kappe." Die drei angesprochenen Formate "Julia" im ORF 2-Vorabend "Mitten im Achten" und "Extrazimmer" würde der ORF-Chef "rückblickend so nicht mehr durchlassen - aber wo es Programminnovationen gibt, muss man auch davon ausgehen, dass irgendwas schief läuft. Ich habe aber, auch wenn das nicht alle gefreut hat, rasch agiert und heute sind 'Frühlingszeit' und der 'CLUB 2' sehr erfolgreich".
Positive Entwicklung
Wrabetz verweist aber auch auf positive Entwicklungen. "Die neue Informationslinie auf ORF 1 hat inzwischen über eine Million tägliche Seher. Auch nach dem Ende der Durchschaltung der 'Zeit im Bild' hat sich ORF 1 als Träger für Information etabliert", erklärt der Generaldirektor. Das Ende der "ZiB"-Durchschaltung und der neue Vorabend in ORF 2 hätten in Summe jedenfalls "größere Flexibilität" gebracht und werden inzwischen vom Publikum auch "sehr gut angenommen". Und mit der Fertigstellung des Newsrooms habe der ORF nun eines der modernsten Nachrichtenstudios Europas. In der Unterhaltung habe der ORF schließlich "neue Marken mit Kultfähigkeit" wie "Wir sind Kaiser" oder die Late-Night-Show mit Stermann und Grissemann geschaffen.
Kleine Schritte
Nun trete das ORF-Fernsehen in eine Phase, "in der wir kontinuierlich Verbesserungen und Innovationen in kleineren Schritten durchführen werden, und das wird uns die nächsten Jahre begleiten", so Wrabetz. "Große Schemaänderungen gibt es nicht, weil die Eckpfeiler stehen." Bereits in den nächsten Wochen würden programmliche Neuerungen wie die Quiz-Show "1 gegen 100" starten. Auch im Serienbereich tue sich etwas, und im Herbst stehe eine "Erneuerung im Kinderprogramm" an. Über das große Show-Event im Herbst hält sich Wrabetz bedeckt. "Jetzt wird entwickelt und dann endgültig entschieden. Wir planen wieder eine große Familienshow, und es wird um Talente von Menschen gehen."
Wrabetz widerspricht Lorenz
Auch wenn der im europäischen Vergleich immer noch hohe Fernseh-Marktanteil auf Grund der digitalen Entwicklungen schwer zu halten sei, arbeitet man im ORF am Halten der 40 Prozent-Marke. Wrabetz korrigiert seinen Programmdirektor Wolfgang Lorenz, der im "Standard" meinte, dass 40 Prozent eine "kühne, optimistische Ansage" wären und er sich "nicht erschießen" werde, "wenn's nur 38 sind". Wrabetz: "Unser Ziel für das heurige Jahr sind die vom Stiftungsrat vorgegebenen 40 Prozent. Das ist die Zielmarke. Es wird zwar immer schwieriger, weil wir in der der Day-Time und am Nachmittag, wo wir nicht genügend Geld haben, um Eigenproduktionen zu machen, immer stärkerer Konkurrenz ausgesetzt sind. Und wenn man am Vormittag nur 25 Prozent erreicht, ist es auch bei einem guten Hauptabend schwer, an die 40 heranzukommen. Wir müssen um jedes Zehntelprozent kämpfen und die Programmierung optimieren. Ich gehe davon aus, dass die TV-Direktoren so arbeiten, dass sie wie der Radio- oder Online-Bereich ihre Ziele erreichen."
(APA/red)
