Masern-Epidemie breitet sich weiter aus: Verdachtfälle in Bundeshauptstadt Wien
- Landeskriminalamt schloss jetzt Masern-Partys aus
- Erkrankungen lösten auch Ansturm auf Blutlabors aus

·Vielen Kindern fehlt die zweite Teilimpfung
Masern: Telefone laufen heiß - Wartezimmer voll
·Immun oder nicht? Ansturm auf Labor
Viele freiwillige Bluttests nach Masern-Epidemie
·Masern-Epidemie bewusst verbreitet?
Über 170 Krankheitsfälle, Polizei ermittelt, Impfung
·Masern: Maßnahme- paket für Salzburg
Impfstatus aller Schüler soll überprüft werden
·Expertenaufruf: Im Impfpass nachschauen
Schutz vom ersten bis 40.
Lebensjahr überprüfen
·Masern: Gefahr der Ansteckung gewaltig
Fast jeder Nicht-Immune infiziert sich bei Kontakt
Die Masern-Epidemie in Salzburg hat sich weiter ausgebreitet. Zuletzt waren insgesamt 175 Fälle gemeldet. An Salzburgs Landeskliniken waren noch zwei der insgesamt sechs aufgenommenen Masern-Patienten in stationärer Behandlung, die anderen konnten inzwischen entlassen werden. Erstmals wurden auch zwei Verdachtsfälle aus Wien bekannt, zudem aus Oberösterreich eine weitere Erkrankung.
166 Patienten waren bis Donnerstagabend gemeldet, 175 waren es zuletzt, wie die Behörden mitteilten. 69 Fälle betrafen die Stadt Salzburg, 85 andere Bezirke und 21 Bayern. Sollten tatsächlich nicht mehr Neuerkrankungen auftauchen, bedeute das aber noch keine Entwarnung. "Dafür ist ein Tag zu wenig." Es könnte aber ein Zeichen sein, dass die umfassenden Aufklärungsmaßnahmen zu wirken beginnen.
Masern-Partys ausgeschlossen
Das Landeskriminalamt schloss dezidiert Masern-Partys aus. In den Medien waren Gerüchte aufgetaucht, wonach in der Waldorfschule oder an anderen Orten solche Treffen veranstaltet worden seien, um den Ausbruch der Krankheit zu forcieren. Die Polizei untersucht derzeit, wo die Krankheit ihren Ausgang genommen hat.
Ansturm auf Blutlabors
Die zahlreichen Erkrankungen haben auch einen Ansturm auf Blutlabors ausgelöst. Sehr viele Menschen wollen wissen, ob sie gegen die Krankheit immun sind, was mit einem sogenannten Titer-Test festgestellt werden kann. In der einzigen niedergelassenen Labor-Gemeinschaft der Landeshauptstadt kamen rund 300 Menschen zum Bluttest. Auch heute war der Ansturm ungebremst.
Bei Salzburgs Kinderärzten liefen nach Ausbruch der Masern-Epidemie die Telefone heiß, auch die Wartezimmer waren voll. Während die meisten Mediziner von einer an sich guten Impf-Quote berichten, zeigte sich aber, dass viele Kinder und Jugendliche die ebenfalls notwendige zweite Teilimpfung nicht mehr bekommen haben. Und auch Mütter haben demnach häufig keinen Impfschutz.
Masern auch in Wien?
In Wien gibt es zwei Masern-Verdachtsfälle: Laut der zuständigen Magistratsabteilung 15 leidet eine 34-jährige Wienerin, die den Osterurlaub mit ihrer Familie im Salzburger Lungau verbracht hatte, an einem masernähnlichen Hautausschlag. Dieser wird derzeit abgeklärt, hieß es in einer Aussendung. Nach kurzer stationärer Behandlung in einem Wiener Spital befindet sich die Frau jetzt bereits wieder in häuslicher Pflege.
Auch eine 20-jährige Salzburgerin wurde zur Abklärung einer etwaigen Masernerkrankung in einem Wiener Spital aufgenommen. In beiden Fällen habe die MA 15 sofort nach Bekanntwerden die vorgesehene Umgebungsuntersuchung eingeleitet, hieß es. Dies bedeutet, dass bei Personen, die mit der Erkrankten im Kontakt waren, der Impfstatus erhoben und bei Bedarf eine Impfung empfohlen wurde.
"Bei den Erkrankten handelt es sich um einzelne Verdachtsfälle", versicherte die Leiterin der MA 15, Landessanitätsdirektorin Karin Spacek. In den Wiener Schulen werden derzeit die Schüler der 1. Schulstufe kostenlos gegen Masern geimpft. Spacek appellierte an die Erziehungsberechtigten, dieses Angebot für ihre Kinder zu nützen.
(apa/red)
