Freitag, 4. April 2008

Maler Josef Mikl 78-jährig gestorben: Sehr prägende Persönlichkeit der Kunst nach 1945

  • Sein Begräbnis fand im engsten Familienkreis statt
  • Gestaltete Redoutensaals in Wiener Hofburg neu

Josef Mikl, eine der prägendsten Figuren der österreichischen Nachkriegskunst, ist 78-jährig gestorben. Wie seine Witwe gegenüber der APA bekanntgab, erlag der Maler bereits am 29. März einer Krebserkrankung und wurde gestern am Döblinger Friedhof im engsten Familienkreis bestattet. Vor allem für seine künstlerische Neugestaltung des Großen Redoutensaales in der Wiener Hofburg wurde Mikl bekannt.

Der Künstler trug maßgeblich dazu, der österreichischen Kunst nach dem Krieg wieder einen Zugang zur internationalen Kunstwelt zu verschaffen. Mikl wurde von Kulturministerin Claudia Schmied als "Genie" gewürdigt, das "heftige Anfeindungen erfuhr, ehe der Wert seiner Arbeit erkannt wurde."

Sein Leben
Am 8. August 1929 in Wien geboren, studierte Mikl bis 1955 Malerei bei Josef Dobrowsky an der Akademie der bildenden Künste. Rasch erarbeitete er sich den Ruf eines führenden Vertreters der österreichischen Abstraktion. Mikl war neben Maria Lassnig und Friedensreich Hundertwasser Mitglied im legendären Wiener Art Club, 1956 gründete er gemeinsam mit Hollegha, Prachensky und Rainer die Gruppe Galerie St. Stephan. 1968 vertrat der Maler Österreich bei der 34. Biennale in Venedig, 1977 war er Teilnehmer an der documenta 6 in Kassel. 1969 wurde er an die Akademie der bildenden Künste berufen, wo er eine Meisterklasse für Malerei übernahm, 1997 wurde er emeritiert.

Großer Redoutensaal
Im gleichen Jahr wurde der von Mikl nach dem Brand neu gestaltete Große Redoutensaal wiedereröffnet. Seine in Rot und Gelb gehaltene Arbeit besteht aus einem Deckenbild und 22 Einzelgemälden und setzt bekannte Werke und literarische Figuren österreichischer Autoren bildnerisch um. Mikl gilt als bedeutendster Exponent des österreichischen Informel, verwahrte sich aber stets gegen eine Zuordnung als Repräsentant einer bestimmten Stilrichtung. Sein breites künstlerisches Lebenswerk, dass neben Gemälden auch Skulpturen, Zeichnungen und Arbeiten zu literarischen Themen umfasste, wurde 2004 bei einer großen Retrospektive in der Kunsthalle Krems gezeigt, dem Jahr in dem Mikl auch das "Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" und den Ehrenring der Stadt Wien erhielt.

Schmied betonte in einer Aussendung, dass es Mikl als einem "der bedeutendsten Maler der Nachkriegsgeneration" bei seinen Wand- und Deckenbildern der Redoutensäle gelungen, sei, "imperiale Dekoration mit einem neuen Lebensverständnis zu vereinen." Mit Mikl verliere Österreich "nicht nur einen namhaften Vertreter der österreichischen Kunst nach 1945, sondern auch einen Querdenker, der sich in kein Schema einordnen wollte," äußerte sich Vizekanzler Wilhelm Molterer. Mikl sei als Maler "den radikalen Visionen seiner Jugend immer treugeblieben und darum nie gealtert", hieß es in einer Reaktion von ÖVP-Kultursprecher Franz Morak. Die "Schlüsselfigur der österreichischen Kunstgeschichte" würdigte auch der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und versicherte, Wien sei "stolz darauf, einige seiner wichtigsten Werke in der eigenen Kunstsammlung zu haben."

(apa/red)

4.4.2008 15:42