Masern-Party als Auslöser für Epidemie? Kinder wurden offenbar bewusst angesteckt
- Über 170 Fälle. Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt
- Fünf Patienten aus LKH bereits entlassen. Impfungen?

·Masern: Maßnahme- paket für Salzburg
Impfstatus aller Schüler soll überprüft werden
·Expertenaufruf: Im Impfpass nachschauen
Schutz vom ersten bis 40.
Lebensjahr überprüfen
·Masern: Gefahr der Ansteckung gewaltig
Fast jeder Nicht-Immune infiziert sich bei Kontakt
Die Masern-Epidemie in Salzburg entwickelt sich zum Kriminalfall. 176 Menschen haben sich bereits infiziert. Nun hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Der unglaubliche Verdacht: Die Krankheit soll bewusst verbreitet worden sein, mittels einer sogenannten Masern-Party. Bei solchen Partys werden gesunde Kinder bewusst mit bereits Erkrankten zusammengebracht, um die Infektion weiter zu verbreiten.
Ziel ist eine "natürliche" Form der Immunisierung. Gesunde Kinder sollen auf diese Weise angesteckt werden, um die Krankheit hinter sich zu haben. Allerdings ist ein derartiges Vorgehen strafbar. Die Polizei soll jetzt für die Staatsanwalt herausfinden, ob Gesunde bewusst infiziert wurden.
Maßnahmenpaket beschlossen
Um die Epidemie einzudämmen, haben die Salzburger Gesundheits- und Schulbehörden ein Maßnahmenpaket beschlossen. Diese sieht unter anderem vor, den Impfstatus aller Schüler und Kindergartenkinder im Land zu erheben. Zugleich soll auch der Impfstatus des Lehr- und sonstigen Personals erhoben werden.
Allen Personen, bei denen kein Schutz vor einer Masern-Erkrankung besteht, wird dringend eine Impfung angeraten. Zuständig für die Erhebung sind die Schul- bzw. Betriebsärzte. Grundsätzlich wird an die Stadtbevölkerung der dringende Appell gerichtet, ihren Impfstatus - insbesondere bei Personen unter 40 Jahren und Kindern - zu überprüfen, um eine Weiterverbreitung der Epidemie zu vermeiden.
Polizei ermittelt
Die Masern-Epidemie hat möglicherweise in der mittlerweile gesperrten Waldorfschule in Mayerwies ihren Ausgang genommen. Aufschlüsse sollen nun Ermittlungen der Polizei bringen. Das Landeskriminalamt versuche nun den Ausgangspunkt der Epidemie herauszufinden und festzustellen, ob jemand "zu spät, falsch oder gar nicht reagiert hat", wie der stellvertretende STA-Sprecher Marcus Neher am Donnerstag sagte. Der Strafrahmen für "fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten" beträgt ein Jahr Gefängnis oder 360 Tagessätze. Masern sind erst seit 2001 anzeigepflichtig, sie fallen unter das Epidemiegesetz.
Die fünf Patienten im Alter von 16 bis 30 Jahren, welche die Masern so schwer erwischt haben, dass sie ins Krankenhaus mussten, befinden sich auf dem Weg der Besserung. Ein Betroffener konnte das LKH Salzburg bereits verlassen.
Im Salzburger Gesundheitsamt, wo unter der Nummer 0662/8042/2288 eine Hotline eingerichtet wurde, liefen unterdessen die Telefone heiß. Die meisten Anrufer erkundigten sich nach Modalitäten und Kosten einer Impfung. Die Appelle von Experten und Gesundheitspolitiker, sich gegen Masern impfen zu lassen, trafen offenbar auf offenen Ohren: Nach Angaben der Österreichischen Apothekerkammer gibt es eine verstärkte Nachfrage nach Vakzinen, vor allem in Salzburg und Oberösterreich sowie im Großraum Wien. Von Samstag bis Ende des Monats bieten die Apotheken den Masern-Impfstoff österreichweit um 24 statt 29,90 Euro an.
(apa/red)
