Mittwoch, 26. März 2008

Satte 495 Mio. Euro für Opernhaus in Oslo: Doch Fassade des Neubaus bröckelt schon

  • Teurer Carrara-Marmor für innen und außen benutzt
  • Aber edles Gestein hält nordischem Klima nicht stand

Gut drei Jahre nach der Eröffnung der neuen Königlichen Oper in Kopenhagen ist Europa demnächst um ein weiteres modernes Operngebäude reicher. Am 12. April eröffnet das gegenüber des Osloer Hauptbahnhofs in den Fjord ragende, wegen seiner spektakulären Architektur im Vorfeld gerühmte und wegen der umstrittenen Verwendung von Carrara-Marmor auch bereits heiß debattierte Haus mit einem großen Gala-Event.

Das Gebäude, das neben der Hauptbühne mit 1356 Zuschauerplätzen über zwei Nebenbühnen mit insgesamt weiteren 640 Plätzen verfügt, wurde von der staatlichen Bauverwaltung nach einem Entwurf des Architekturbüros Snöhetta in rund fünf Jahren Bauzeit errichtet. Der ursprüngliche Zeitplan hielt, das Budget wurde dagegen deutlich überschritten. Aus den veranschlagten 3,3 Mrd. Kronen (408 Mio. Euro) wurden letztlich rund vier Milliarden (495 Mio. Euro); fast schon ein Klacks für das in Öl-Milliarden schwimmende skandinavische Land.

Preis-Explosion durch Carrara-Marmor
Während der Bauzeit heiß diskutiert wurde die sowohl für die Innen- als für die auch Außenverkleidung des Gebäudes vorgesehene Verwendung von italienischem Carrara-Marmor.

Bittere Erfahrungen mit dem strahlend weißen Luxusbaustoff im rauen nordeuropäischen Klima gibt es vor allem aus Finnland. Mehrere Gebäude, darunter das Finlandia-Haus in Helsinki, eine Schöpfung des legendären Alvar Aalto (1898-1976), mussten in den vergangenen Jahrzehnten dort um horrende Summen renoviert werden. Die dünnen Marmorplatten verformten sich und begannen zu zerbröckeln.

Finanzieller Alptraum: Fassade bröckelt bereits
Befürchtungen in Oslo, die neue Oper könnte ein ähnlicher Problemfall werden, wurden vor vier Jahren von den Planern unter Hinweis auf die größere Dicke der beim norwegischen Opernbau verwendeten Carrara-Platten abgeschmettert. Vergangenes Jahr stellte sich jedoch unter beträchtlichem Mediengetöse heraus, dass die Platten - vor allem die Bodenplatten im Foyer - bereits während der Bauzeit zu vergilben begannen.

Wieder kalmierten Architekten und Bauherren, diesmal etwa unter Hinweis auf ein bereits angelegtes, riesiges Ersatzplatten-Lager beim ehemaligen Flughafen Fornebu. In den Medien tauchten dagegen bösartige Spitznamen wie "Nationalpissoir" für das als Prunkstück eines neu gestalteten Oslo gedachte Opernhaus auf.

Osloer freuen sich auf neues Wahrzeichen
Das Interesse für das neue Wahrzeichen der norwegischen Hauptstadt, das die Architekten wegen der vielfältigen Benützbarkeit der Außenflächen im Sinne "sozialer Monumentalität" aufgefasst sehen wollen, ist jedenfalls groß: Bei der erstmaligen Teilöffnung der Baustelle im vergangenen Sommer strömten 20.000 Besucher, um sich erstmals einen Blick von den schrägen und waagrechten Fassadenteilen auf den Oslofjord genehmigen zu können. In einer jüngst veröffentlichten Umfrage sagte fast die Hälfte der befragten Hauptstädter, sie wollten noch heuer eine oder mehrere Vorstellungen besuchen.

Opernchef Björn Simensen setzt in der ersten Saison seines neuen Hauses auf ein buntes Programm aus Oper, Ballett, symphonischer Musik sowie Pop- und Jazzkonzerten. Auf die erste "richtige" Oper im Programm müssen die Zuschauer bis zum 29. Mai warten, wenn Monteverdis "Orfeo" Premiere hat - auf der Nebenbühne. Davor gibt es eine Reihe von Balletten, Konzerte sowie ein eigens produziertes Opern-Potpourri zu sehen.

Aus der ursprünglich für 26. April geplanten Welturaufführung des Auftragswerks "In 80 Tagen um die Welt" vom norwegischen Opernschreiber-Duo Gisle Kverndokk und Öystein Wiik wurde nichts: Die Fertigstellung der Bühnentechnik auf der Hauptbühne lässt nämlich noch auf sich warten. Ebenso wie zahlreiche Baumaßnahmen im städtebaulichen Umfeld des "kalbenden Gletschers" - eine der optionalen Etiketten für das neue Wahrzeichen. Die Premiere von "In 80 Tagen um die Welt" ist nun für Silvester 2009 geplant. (APA/red)

26.3.2008 14:03