Freitag, 28. März 2008

Kolumne: Germany's Next Topmodel oder der Bluthundcharme von Heidi Klum

  • Scharfzüngige Kolumne von Agentur-Chef Wachta
  • Ein Blick raus aus der österreichischen Traumwelt

Von verschiedensten Seiten werde ich dazu ermuntert "doch mal einen Veriss über Germany`s Next Topmodel zu schreiben." Doch wozu? Ich finde, dass diese Sendung dem Modelbusiness nur helfen kann.

Natürlich kann man über Einzelheiten streiten und auch der Bluthund-Charme von Bohlen-Pendant Klum sticht für mich hervor - aber die Sendung selbst find ich nicht schlecht. Ich orte sie zwar nicht als so bedeutend auf meinem Radar, dass ich sie mir Woche für Woche "reinziehen" möchte, aber ab und zu kann man sich das schon ansehen.

Manche Situationen werden natürlich überspitzt dargestellt bzw. erinnern mich an ein Sado-Maso Spiel. Für dieses zeichnet sich vorallem Heidi Klum aus, die für mich überraschend unsympatisch wirkt.

Prinzipiell ist es aber wichtig, dass Models wissen , was im Modelbusiness auf sie zukommt. Wir leben in unserer schönen österreichischen Traumwelt, in der alle so schön in Watte gebettet werden. Selten schaffen wir es raus aus unserer Froschtümpel-Perspektive um in die weite Welt zu blicken - das ist eine Chance von mehreren.
Neben dem Quälen der Teilnehmerinnen und anderen verzichtbaren Elementen, sieht man nämlich einen guten Querschnitt der Modelbusiness-Realität bei der deutschen Topmodel-Suche.

Im übrigen Österreich`s Nächstes Topmodel hat nichts mit Germany`s Next Topmodel gemein. Während das deutsche TV-Format via Castingshow eine Siegerin kürt, haben wir bewusst kein Plagiat gestaltet, sondern die einzige österreichweite Modelwahl ins Leben gerufen. Der Modus dürfte bekannt sein - in jedem Bundesland gibt es Castings, eine Zwischenrunde und eine Hauptwahl. Die ersten 2 aus jedem Bundesland steigen ins Finale auf, bei dem dann Österreich`s Nächstes Topmodel gesucht und bei ÖNTM 1 in Form von Julia Ganster schon gefunden wurde.

Der Modus wiederum ist die einzige Ähnlichkeit zwischen unserer Modelwahl und einer Misswahl, die bedeutenden Unterschiede habe ich schon oftmals ausgearbeitet. Ich möchte es daher weder euch noch mir ein weiteres Mal zumuten. Nach wie vor ist es natürlich wichtig, sich von Misswahlen abzugrenzen... Wir werden diese Distanzierung aber durch eine weitere, noch bessere, Staffel von Österreich`s Nächstes Topmodel (ÖNTM 2) viel effizienter erreichen.

Bei Germany`s Next Topmodel hingegen suchen wir weder eine Abgrenzung noch eine Annäherung. Wir sehen sie als einen interessanten Teil des Modelbusiness, der mit uns eigentlich nichts zu tun hat, aber dem Modelbusiness selbst mehr hilft als schadet.

Elena, den österreichischen Beitrag zu der Castingshow finde ich übrigens sehr hübsch. Möglicherweise könnte nur ihre eher geringe Grösse fürs Modelbusiness von Nachteil sein. Aber als Österreicher hat man ihr natürlich die Daumen gedrückt (sie ist ja mittlerweile ausgeschieden) und gehofft, dass sie unser Land bestmöglich repräsentiert.

Ausserdem dürfte Elena, denke ich , rechtzeitig erkannt haben, dass sie mit der Modelschiene offenbar wesentlich mehr erreichen kann, als im Misswahlbereich. Daher hoffe ich umso mehr, dass sie im Modelbereich möglichst erfolgreich ist und beweist , welche Karrieremöglichkeiten es da gibt. Das Aussehen und Talent dafür hat sie dafür absolut! Damit hätte sie eigentlich schon längst den Durchbruch schaffen müssen - hätte man sie professionell betreut (Privatmeinung). Hoffentlich hat sie auch den Ehrgeiz, den Charakter und das Durchhaltevermögen, dann steht ihr die Welt offen...

Die Tatsache, dass durch sie "halb Österreich" die deutsche Castingshow sieht, wird auch den Leuten im Hintergrund von Germany`s Next Topmodel nicht verborgen geblieben sein und war daher sicherlich auch kein Nachteil für Elena. Was aber ihre Leistung nicht schmälern soll!

Doch dass jedem Mädchen gleich die große Karriere winkt , ist ein Irrglaube. Es ist ein Sprungbrett, man gewinnt an Bekanntheitsgrad und kann darauf aufbauen.
Was man dann daraus macht , bleibt einem, wie man an Anja Platzer sieht, selbst überlassen. Diese meinte übrigens , sie würde kein zweites Mal bei der deutschen Show mitmachen. Ihre Karriere musste sie selbst in die Hand nehmen, so Platzer.

Fairerweise muss man aber sagen: sie hat dieses Format ja auch nicht gewonnen...

Dominik Wachta ist Inhaber der Model-Agentur "Jademodels International"

28.3.2008 09:25