Neuer Kampf für Billigpreise: Rewe sucht Ausweg aus Krise mit den teuren Rohstoffen
- NEWS: Hensel will Preise finanztechnisch abzusichern
- Kunden erkennen Vorteile von Qualitätsprodukten

Explodierende Rohstoffpreise, verärgerte Konsumenten - die Handelsketten geraten in eine Zwickmühle. Rewe-Vorstand Frank Hensel, Herr über die Supermarktketten Billa, Merkur und Penny, sucht Auswege: "Da wir Preiserhöhungen nicht im vollen Umfang weitergeben können, überlegen wir, uns gegenüber steigenden Rohstoffpreisen abzusichern. Wir beschäftigen uns mit geeigneten Maßnahmen und Instrumenten, um Rohstoffpreiserhöhungen zumindest teilweise abzufangen." Was kompliziert klingt, praktizieren Sparten wie Fluglinien schon lange: Hedging. Darunter versteht man die Absicherung von Preisen durch Finanzinstumente an den Rohstoffbörsen. Was bei den Austrian Airlines für Kerosin funktioniert, kann Rewe auch für Milch und Mehl als eine Art Preis-Versicherung anwenden.
Denn zur boomenden Nachfrage, die die Rohstoffe aus der Landwirtschaft teuer macht, kommen noch Entwicklungen wie bei Öl oder Edelmetall. Hensel gegenüber NEWS: "Zur Teuerungswelle bei Milch oder Getreide kommt auch noch der Umstand, dass Lebensmittel leider zum Spekulationsobjekt geworden sind." Mit dem Effekt, dass im Februar die Preissteigerungen jedes Maß gesprengt haben. Eier und Molkereiprodukte wurden um 16 Prozent teurer, Teigwaren gar um 37 Prozent. Butter wurde im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent teurer.
Der Rewe-Vorstand fordert daher ein Umdenken: "Langfristig müssen wir eine Wertedebatte führen. Mit der Kernfrage: Sind wir bereit, für Lebensmittel mehr zu zahlen und woanders zurückzustecken, um auch weiterhin eine hohe Qualität in der Versorgung mit Lebensmitteln für uns und unsere Kinder zu sichern?"
Qualität statt Diskont brutal
Die Konsumenten scheinen bereits die Vorteile der Qualitätsprodukte erkannt zu haben. Denn neben den boomenden Diskontern - über 20 Prozent der Haushaltsbudgets werden bereits bei Hofer, Lidl & Co ausgegeben - verzeichnet auch das Qualitätssegment kräftige Zuwächse. Hensel: "Die Konsumenten honorieren Qualität. So haben wir mit der Biomarke Ja! Natürlich ein dreimal höheres Wachstum als mit der Preiseinstiegsmarke Clever."
Mit Lebensmitteln lukrative Margen zu erwirtschaften wird allerdings immer schwieriger. Wie schwierig, zeigt der aktuelle Poker um den Kauf der Supermarktkette Zielpunkt. Der deutsche Mutterkonzern Tengelmann will die heimischen Standorte an den Mann bringen, doch noch scheitert das am Kaufpreis. Neben Spar sind auch die Fleischerkette Schirnhofer und Finanzinvestoren im Rennen.
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