Österreicher können sich immer weniger leisten: Steuern fressen unsere Gehälter
- NEWS: Inflation meist höher als Gehaltssprünge
- PLUS: Wie viel Geld Angestellte in 5 Jahren verloren

·GRAFIK: Steuerlast von 2004 bis 2008
Wie viel Geld Angestellte in fünf Jahren verloren
·Internationale Krise schwächt Wachstum
Nettoeinkommen sinkt und Arbeitslosigkeit steigt
·"Finger weg von
Grund und Boden"
SPÖ/ÖVP: Tauziehen um Vermögenszuwachssteuer
·Experte rechnet nicht mit Steuerflucht
Bruckner sieht keine großen Mehreinnahmen
·"Das ist eine Sache, die uns eint bis 2010"
Neuwahl-Gespenst mit Kompromiss vertrieben
·IHRE MEINUNG zur anstehenden Wahl!
Wen werden Sie am 28. September 2008 wählen?
·Bergmann mischt bei der Steuerreform mit
Soll die Absetzbarkeit von Spenden neu regeln
Die Freude über die letzte Gehaltserhöhung währte bei der gelernten Schneiderin Susanne Schoiswohl nicht lange. Denn beim Check ihres Gehaltszettels verschwindet der größte Teil des Einkommens in den Rachen von Finanz und Sozialversicherung. Netto bleibt ihr wenig. Daran wird auch die nun beschlossene Teil-Steuerreform wenig ändern: Denn trotz Mahnung der Experten wird der Mittelstand wieder nicht entlastet.
Das Beispiel der Schneiderin verdeutlicht, was Österreichs Arbeitnehmer erzürnt: Seit 2005 erhöht sich das Gehalt der 30-Jährigen nur durch jährliche kollektivvertragliche Anpassungen. Hinzu kommt, dass die stark gestiegene Inflation und vor allem die kalte Progression aus ihrem Nettoverdienst von 1.820 Euro im Vergleich zu 2005 ein Minusspiel macht: Ganze 614 Euro hat Schoiswohl gegenüber 2005 an Kaufkraft eingebüßt. Damit ist sie nicht alleine; so wie ihr ergeht es den meisten der rund sechs Millionen Steuerzahler.
Karl Bruckner, einer der renommiertesten Steuerexperten des Landes und Geschäftsführer von BDO Auxilia, bringt es auf den Punkt: "Durch die letzte Steuerreform wurde der Durchschnitt der Österreicher zwar ein wenig entlastet. Aber die Grenzbesteuerung, also jeder dazuverdiente Euro, ist derzeit so hoch wie noch nie zuvor. Eine Steuerreform wäre schon dringend notwendig". Ein Blick auf die Steuern- und Abgabentabelle gibt schaurige Auskunft über den fiskalen Wahnsinn: So muss ein Durchschnittsverdiener von rund 2.600 Euro brutto im Monat 36 Prozent seines Salärs mit Lohnsteuer und Sozialversicherung in Abzug bringen. Bei Überstunden oder Gehaltserhöhungen schnappt die Steuerfalle noch stärker zu: Jeder zusätzliche Euro wird dann mit 52,8 Prozent versteuert. Bruckner: "Mehrarbeit zahlt sich überhaupt nicht mehr aus, das ist völlig leistungsfeindlich."
Fauler Kompromiss
Aufgrund der prekären Sachlage fordern die Österreicher verstärkt eine Senkung der Abgaben. Doch die Steuerreform ist seit Monaten der Zankapfel der Koalition. Nun haben sich SPÖ und ÖVP zum "Reförmchen 2008" durchgerungen. Der große Wurf ist das freilich nicht: Nur Kleinst-Einkommen bis 1.350 Euro Brutto-Monatsgage dürfen sich über 35 bis 70 Euro an Jahres-Steuerersparnis freuen. Alle anderen werden weiter geschröpft. Zudem besteht nun die Gefahr, dass das geplante Drei-Milliarden-Euro-Steuerentlastungspaket gar nicht mehr so geschnürt wird. Experten schlagen bereits Alarm.
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