Mitverantwortlich für Krankenkassendefizit:
Arztbesuche im Jahr 2007 stark angestiegen
- Niedrigeres Honorar für Folgebesuche als Lösung?
- Mögliche Ursache: E-Card vereinfacht Arztbesuche

·355 Mio. Euro Defizit bei Krankenkassen!
Einnahmen gegenüber '06
allerdings angestiegen
·Kranke Kassen: Über 30 Mio. Kreditzinsen!
Verschuldung verursacht enorme Zusatzkosten
·Medikamente schon bald direkt vom Arzt?
Apotheker und Kdolsky gegen Ärztekammer-Idee
Die Zahl der Arztbesuche ist im Vorjahr stark gestiegen - entsprechende Mehrkosten für die Krankenkassen inklusive. Während die "Erstbesuche" bei Vertragsärzten um 3,3 Prozent zugenommen haben, war bei Folgebesuchen gar ein Anstieg von sieben Prozent zu verzeichnen. Hauptverbands-Präsident Erich Laminger überlegt nun, den Ärzten für Folgebesuche weniger zu bezahlen.
Wirklich nachvollziehbar ist der Trend für Laminger nicht. "Arztfrequenz, Folgebesuche und Medikamentenkosten sind in einem Ausmaß gestiegen, das nicht normal erklärbar ist", betont Laminger. Außergewöhnliche Ereignisse wie Grippeepidemien seien bei diesen Zahlen bereits herausgerechnet. Als möglicher Grund wird in der "Kronen Zeitung" auch die E-Card genannt, die Arztbesuche einfacher macht.
Die von den Ärzten häufiger verordneten Folgebesuche will Laminger gemeinsam mit den Vertragspartnern angehen und "nachdenken, ob man mit einem intelligenteren Honorarsystem eingreifen kann, etwa indem man ein Abweichen vom Idealpfad mit Gebühren vorsieht oder Folgebesuche weniger hoch dotiert als jetzt", sagt er im "Standard". Das Grundhonorar für einen Erstbesuch bringt den Ärzten zumindest 15 bis 20 Euro, ein Folgebesuch vier bis sechs Euro.
Ärztekammer weist Kritik zurück
Die Ärztekammer hat Aussagen des Hauptverbands widersprochen. Der Vizepräsident der Ärztekammer, Günther Wawrosky, wies auch Überlegungen von Hauptverbands-Vorsitzenden Erich Laminger zurück, dass Folgebesuche beim Arzt in einem Quartal weniger hoch dotiert sein sollten. Dies sei eine "Unterstellung, die jeder logischen Grundlage entbehrt". Die meisten ärztlichen Leistungskataloge würden Folgebesuche durch Pauschalhonorare respektive mit Anzahl der Arztbesuche stark degressiven Tarifen keineswegs fördern.
(apa/red)

