Donnerstag, 27. März 2008

Prestige-Projekt der CSU ist nun geplatzt: Münchner Transrapidbahn wird nicht gebaut

  • Nach Krisensitzung in Berlin wird Projekt abgesagt
  • Projekt scheitert an der enormen Kostenexplosion

Überraschendes Aus für den Münchner Transrapid: Ein halbes Jahr nach der feierlichen Unterzeichnung einer Realisierungsvereinbarung platzte das Projekt am Donnerstag wegen einer unerwarteten Kostenexplosion.

Die Industrie hatte den Preis für die 40 Kilometer lange Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen kurzerhand von 1,85 auf 3,4 Mrd. Euro verdoppelt und damit einen sofortigen Stopp des Projekts durch deutsche Regierung und bayerische Landesregierung provoziert. Damit kommt die Magnetschwebebahn - eine der prestigeträchtigsten deutschen Technologien - auf absehbare Zeit nicht in ihrem Heimatland zum Einsatz.

Enttäuschter Beckstein
"Aus meiner Sicht ist heute ein schlechter Tag für den Technologiestandort Deutschland", sagte der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein. Die Industrie will trotz des Desasters weiter in die Technologie investieren und Abnehmer im Ausland suchen. "Wir sehen diese Technologie weiter als wichtige Exporttechnologie Deutschlands", sagte Siemens-Chef Peter Löscher.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Magnetbahn-Strecke in Deutschland scheitert. Am weitesten gedieh Mitte der 90er Jahre die Planung einer Trasse zwischen Hamburg und Berlin. Sie fiel am Ende ebenso durch wie das Projekt "Metrorapid" durch das Ruhrgebiet. Bisher schwebt der Transrapid nur über eine Trasse in China und verbindet seit fünf Jahren den Süden Schanghais mit einem Flughafen.

Erhöhte Kostenkalkulation
Bahnchef Hartmut Mehdorn teilte der Bundesregierung und der bayerischen Landesregierung überraschend mit, dass die beteiligten Baufirmen ihre Kostenkalkulation erhöht hatten. Der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee berief daraufhin eine Krisensitzung ein, in der er sich weigerte, den Anteil der Bundesregierung zu erhöhen. "Die Quintessenz ist, dass das Transrapid-Projekt in seiner Planung und Realisierung für den Freistaat Bayern gescheitert ist", verkündete Tiefensee nach der Sitzung.

Der Bund hatte für das Projekt 925 Mio. Euro zugesagt und das Land Bayern 490 Mio. Euro. Zur Schließung der Finanzierungslücke von 435 Mio. Euro sollte die Deutsche Bahn 235 Mio. Euro beisteuern, der Flughafen 100 Mio., die EU 50 Mio. und Siemens und ThyssenKrupp jeweils 25 Mio. Euro.

Pro forma Forderung Becksteins
Beckstein hatte Tiefensee nach der Hiobsbotschaft über die Kosten noch pro forma gebeten, die Bundesförderung um eine Milliarde auf 1,925 Mrd. Euro zu verdoppeln. Ernsthafte Verhandlungen darüber gab es aber nicht.

Tiefensee lehnte sofort ab. Der Verkehrsminister sah trotzdem ein positives Ergebnis der Sitzung, weil die Industrie sich zur Weiterentwicklung der Technologie bekannt habe. Löscher nannte als mögliche Absatzmärkte im Ausland neben China die USA und den Nahen Osten.

Der Bund hat nach Angaben Tiefensees bisher etwa 1,4 Mrd. Euro in die Technologie investiert, die Industrie 800 Mio. und die Bahn 200 Mio. Euro.

Auch Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zeigte sich überrascht und enttäuscht vom Aus für die Transrapid-Strecke. "Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren", erklärte er.

(apa/red)

27.3.2008 16:47