27.3.2008 13:03

Am Ende überwiegen Frust & Enttäuschung:
Mannschaft war von Führung "überrascht"

  • Herzog kritisiert die Passivität in der zweiten Hälfte
  • Spieler schätzen Holland stärker als Deutschland ein

So erfreut sich Österreichs Fußball-Teamspieler auch über die erste Hälfte des Testspiels gegen die Niederlande zeigten, so zerknirscht gaben sich Kapitän Andreas Ivanschitz und Co. angesichts der zweiten 45 Minuten, in denen die Gäste im Wiener Ernst-Happel-Stadion die Wende herbeiführten und schließlich noch als 4:3-Sieger vom Platz gingen.

"In der zweiten Hälfte hat vieles nicht gestimmt, aber 55 bis 60 Minuten lang haben wir eine tolle Leistung gebracht", betonte Ivanschitz. "Doch es ist schade für die Fans und unser Selbstvertrauen, dass wir dieses Spiel noch hergegeben haben. Wir haben zwar gegen Holland drei Tore geschossen, aber am Ende überwiegt schon die Enttäuschung, vor allem weil unsere Gegentore aus individuellen Fehlern entstanden sind. Holland war etwas stärker als Deutschland."

Herzog kritisiert Abwehrverhalten
Andreas Herzog, Assistent von Teamchef Josef Hickersberger, nahm in Bezug auf die Gegentreffer nicht nur die Verteidigung in die Pflicht: "Wir haben keinen Gang zurückgeschaltet, sondern haben versucht, nach hinten enger zu stehen", umriss er das grundsätzliche Konzept. Und präzisierte die Versäumnisse: "Man kann ja 30, 40 Meter vor dem Tor stehen. Wir aber stehen mit sieben, acht Leuten im eigenen Strafraum, und was passiert, wenn dann ein Fehler passiert, hat man heute gesehen. Da müssen wir schauen, dass wir im Mittelfeld mehr Bälle gewinnen und nicht nur die Innenverteidiger im letzten Augenblick dann noch retten. Das müssen wir verbessern."

Positive Aspekte der ersten Hälfte
Freilich ließ Herzog auch die positiven Aspekte nicht unerwähnt: "Man hat gesehen, dass wir 60 Minuten ein ganz hohes Tempo mitgehen können, dass wir Torchancen kreieren können, dass wir Tore erzielt haben. Und wir haben auch ein bisschen Pech gehabt mit diesen Abwehraktionen. Das ist schade, wenn du in der ersten Halbzeit so gut spielst." Die Tormannfrage "muss der Teamchef oder der Tormanntrainer entscheiden. Ich glaube, dass wir drei sehr gute Torhüter haben, und da gibt es nichts dran zu deuteln".

Bei Harnik überwiegt der Frust
Bei Martin Harnik, der mit einer gefühlvollen und präzisen Flanke auf Ivanschitz die Vorlage zum 1:0 gab, überwog "ganz klar der Frust. Die Holländer haben das Spiel bestimmt, wir haben im Gegensatz zum Deutschland-Spiel unsere Chancen genutzt. Aber im Großen und Ganzen hat sich vom Spiel her nicht viel geändert. Die Holländer haben uns viel laufen lassen. Man gewinnt so ein Spiel lieber 1:0 und spielt einen Scheiß zusammen, als noch 3:4 zu verlieren."

Team von Führung "überrascht"
Die Mannschaft sei wohl "überrascht" gewesen, zur Halbzeit 3:1 zu führen, mutmaßte der Bremen-Legionär. "Wir waren uns schon bewusst, dass die Holländer das Ergebnis so nicht stehen lassen wollten." Den ungebrochenen Fanzuspruch für den gebürtigen Deutschen, der sich bei seiner Auswechslung in Sprechchören manifestierte, versuche er "auch mit guten Leistungen zu rechtfertigen. Das ist mir heute ganz gut gelungen. Aber ich bin mir bewusst, dass ich ohne Vereinspraxis nicht in der Nationalmannschaft spielen kann - schon gar nicht bei einer EM."

"Schöner Fußball" mit bitterem Ende
Roland Linz, der im Gegensatz zum 0:3 gegen Deutschland Anfang Februar keine Chancen vorfand, attestierte seinem Team in der ersten Hälfte "einen schönen Fußball", bedauerte aber die Passivität in den zweiten 45 Minuten: "Leider haben wir uns in der zweiten Hälfte hinten reindrängen lassen. Dann bekommt man eben irgendwann Tore. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das noch aus der Hand geben."

"Uns fehlt im Moment noch die Klasse"
Man sei aber nicht zu müde gewesen, stellte der Portugal-Legionär klar: "Wir wollten uns einfach weiter hinten aufstellen. Wir sind aber glaube ich nicht die Mannschaft, die das kann, sondern wir müssen schauen, dass wir den Ball so weit wie möglich von unserem Tor weghalten." Für Linz stand fest: "Uns fehlt im Moment noch die Klasse, die Deutschland oder Holland haben. Aber in Wahrheit geht es jetzt noch um nichts. Wir müssen schauen, dass wir bis zur EM unser Maximum abrufen können."

(apa/red)

27.3.2008 13:03
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