Austro-Legende Hasil zum nächsten Gegner: 'Holländische Spieler haben mehr Charakter'
- 'In Österreich wird immer nur viel dahergeredet'
- Ex-Feyenoord-Star sieht nur geringe EM-Chancen

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Längst vorbei sind die Zeiten, als die "Oranjes" für das ÖFB-Nationalteam ein Aufwärmgegner etwa für die WM 1934 oder die WM 1958 waren. Seit Anfang der 1970er-Jahre geriet die einstige Fußball-Großmacht Österreich gegenüber den Niederlanden immer mehr ins Hintertreffen und zählt im Moment laut FIFA-Rangliste zu den unterdurchschnittlichen Mannschaften Europas, während die Niederländer seit der Ära von "König" Johan Cruyff fast ständig im Kreis der Weltelite zu finden sind.
Franz Hasil hat die Wachablöse hautnah miterlebt, spielte er doch von 1969 bis 1973 für Feyenoord Rotterdam unter Trainer Ernst Happel. 1970 gewann der mittlerweile 64-Jährige mit seinem damaligen Club den Europacup der Meister und wenig später den Weltcup, was ihm bis jetzt kein anderer Österreicher nachgemacht hat. "Bevor ich nach Holland gekommen bin, waren wir immer besser, aber seit den Siebzigern ist es damit vorbei", meinte der Träger des Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich, der im Jahr 2000 zum besten Legionär des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden gewählt wurde und jedes Jahr von seinem Ex-Club nach Rotterdam eingeladen wird.
Für die Überlegenheit der Oranjes im Vergleich zu Österreich gibt es laut Hasil mehrere Gründe. "Schon zu meiner Zeit haben sie in Holland riesige Fußball-Schulen mit vielen Trainingsplätzen gebaut, bei uns müssen sich die Nachwuchsmannschaften noch immer einen Platz teilen. Außerdem fehlt es bei uns im Gegensatz zu Holland an allen Ecken und Enden an guten Nachwuchstrainern. Wir bräuchten mehr Leute, die ein Talent erkennen und nicht den Größeren spielen lassen und den Kleineren wegschicken."
"Holländische Spieler mit mehr Charakter"
In Österreich mangle es aber nicht nur an infrastrukturellen Problemen in der Jugendarbeit. "Die holländischen Spieler haben einfach mehr Charakter. Wenn sich die ein Ziel setzen, dann ziehen sie es durch, in Österreich dagegen wird immer nur viel dahergeredet", kritisierte Hasil, der die Wurzel allen Übels schon in der mangelnden Einstellung der Junioren sieht. "Sie haben einfach keinen runden Bewegungsablauf, sind zu hölzern. Und das ist kein Wunder, sie bewegen sich allgemein viel zu wenig. Sie werden von ihren Eltern zum Training gebracht, trainieren eine Stunde, dann gehen sie nach Hause, essen eine Wurstsemmel und spielen Computer", bemängelte der einstige Edeltechniker.
Bei der EURO 2008 ist für den Europameister von 1988 und Vize-Weltmeister von 1974 und 1978 laut Hasil alles möglich - vom Ausscheiden in der Gruppenphase bis zum Turniersieg. "Wenn es den Holländern gelingt, eine Mannschaft zusammenzuschweißen, die an einem Strang zieht, dann können sie die schwierige Gruppe (Anm.: mit Italien, Frankreich und Rumänien) überstehen, und wenn sie die Gruppe überstehen, haben sie eine große Chance auf den Titel."
Nur geringe EM-Chancen
Wenig optimistisch schätzt Hasil die österreichischen Erfolgsaussichten bei der Heim-EM ein. "Ich bin Realist. Unsere Stärke ist der Heimvorteil, und vielleicht erwischen wir einen guten Start. Doch im Grunde sind unsere Chancen sehr gering. Mit etwas Glück holen wir vielleicht den einen oder anderen Punkt, aber mehr ist wahrscheinlich nicht drin", prognostizierte der Besitzer einer Trafik im dritten Wiener Gemeindebezirk.
Mit einer künstlich hochgepushten EURO-Erwartungshaltung in Österreich kann sich Hasil nicht anfreunden. "Es ist ja gut, wenn eine Euphorie gemacht wird, aber wenn irgendwelche Prominente sagen, wir werden Europameister, dann muss ich mich schon wundern." (apa/red)
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