27.3.2008 14:08

Deutschland mausert sich zu Titelkandidat:
4:0 gegen Schweiz macht Hoffnung auf EM

  • Schweiz-Coach Kuhn: "Wird schwer, sie zu schlagen"
  • ÖFB-Spione beobachteten Österreichs Gruppengegner

Deutschland hat sich mit einem 4:0-Kantersieg gegen Co-Gastgeber Schweiz wie ein Titelkandidat präsentiert. Im 800. Länderspiel zeigte sich der dreimalige Europameister gegenüber dem vielkritisierten 3:0 gegen das ÖFB-Team vor wenigen Wochen deutlich verbessert. Österreichs EM-Auftaktgegner Kroatien erreichte in Schottland ein 1:1, Polen ging vor eigenem Publikum gegen die USA hingegen 0:3 unter.

Vor ausverkauftem Haus in Basel sorgte die deutsche Angriffsabteilung für einen geruhsamen Abend für Bundestrainer Joachim Löw. Doppeltorschütze Mario Gomez (61., 67.), Miroslav Klose (23.) und der eingewechselte Lukas Podolski (89.) zeigten, dass die DFB-Mannschaft im Sturm hervorragend besetzt ist. "Da hat Jogi Löw die Qual der Wahl", stellte Manager Oliver Bierhoff fest und der niedergeschlagene Schweizer Coach Köbi Kuhn lobte: "Wenn die Deutschen in so einer Verfassung sind, wird es schwer, sie zu schlagen".

Löw erfreut über gelungenen Auftritt
Der Teamchef stellte eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber des Auftritts im Happel-Stadion fest. "In Wien sind wir viel zu wenig gelaufen, das musste heute besser werden. Wir können zufrieden sein", freute sich Löw über den gelungenen Auftritt beim letzten Härtetest vor der Nominierung des 23-Mann-Kaders am 16. Mai. Und eine Aussage von Abwehrspieler Philipp Lahm klang fast wie eine Drohung: "Ich glaube, wir können uns bei der EM sogar noch steigern".

Torsperre von Jens Lehmann hält weiter an
ÖFB-Spion Ernst Weber sah eine "physisch starke" DFB-Elf und chancenlose Schweizer. "Die Löw-Truppe hat trotz extrem schlechtem Boden versucht zu kombinieren, bei der Schweiz blieb es nur beim Versuch", meinte Österreichs Frauen-Teamchef über einen auch in dieser Höhe verdienten Erfolg. Auch die umgestellte Abwehr der Deutschen mit Lahm, Mertesacker, Westermann und Jansen sei "sehr stabil" gewesen. Der kaum geprüfte Torhüter Jens Lehmann konnte seine Rekordserie auf 621 Minuten ohne Gegentor ausbauen.

Kroaten boten gegen Schottland gute Leistung
Österreichs EM-Auftaktgegner Kroatien bot im Hampden-Park eine laut Beobachter Willi Ruttensteiner "viel bessere Leistung" als bei der 0:3-Heimpleite im vergangenen Monat gegen die Niederlande. Kranjcar (10.) traf mit einem platzierten Schuss zur Führung, die Miller (30.) nach einem Patzer von Robert Kovac ausglich. "Im Ballbesitz haben sie technisch sehr gut gespielt, sind selbstbewusst aufgetreten und waren dem Sieg näher", berichtete der Technische Direktor des ÖFB. "Man darf sich vom Ergebnis in Split nicht täuschen lassen."

Bilic zeigt sich generell zufrieden
Die Bilanz von Teamchef Slaven Bilic, der Salzburg-Legionär Niko Kovac zur Pause durch Vukojevic ersetzte, war zwiespältig. "Wir hätten mehr erreichen können. Wenn ich Bilanz ziehe, bin ich generell zufrieden. Das Spiel war ein wahrer Kampf, wie wir es uns von Schottland erhofft haben", meinte Bilic, der nach der schweren Verletzung von Eduardo mit Petric/Olic und Klasnic/Budan zwei Sturmformationen testete.

Kroatische Presse vermisst Siegeswillen
Mann des Spieles war für die kritische kroatische Presse Torschütze Kranjcar ("Wir sind noch stärker als wir es heute gezeigt haben"), die schlechtesten Zensuren erhielten die Gebrüder Kovac. "Bilic in Bedrängnis. Es war keine unwesentliche Tatsache, dass unser Team offenbar seine guten Eigenschaft, nämlich den Siegeswillen, verlernt hat", meinte "Vecernji list". "Das Team hat weder in Split noch gegen Schottland Charakter gezeigt, sie spielten nicht sehr inspiriert."

Polen mit schwacher Vorstellung gegen USA
Polen bot gegen die USA vor heimischer Kulisse eine äußerst schwache Vorstellung. Das Team von Leo Beenhakker leistete sich in Krakau gegen die in Vollbesetzung angetretenen Nordamerikaner ein 0:3, die beiden Austrianer Jacek Bak und Arek Radomski bildeten bis zum Austausch von Radomski in Minute 63 die polnische Innenverteidigung. "Was soll ich sagen? Die zweite Spielhälfte war besser als die erste, aber wir waren nicht gut vorbereitet", erklärte ein ratloser Teamchef Beenhakker.

"Polen hat keinen guten Tag erwischt
Auch DSV-Leoben-Coach Walter Kogler, der für den ÖFB vor Ort war, sah eine kollektiv schwache Vorstellung der Osteuropäer: "Polen hat keinen guten Tag erwischt. Vielleicht haben sie die USA auch unterschätzt". Offensichtig sei geworden, dass sich Polen mit der Favoritenrolle schwer tat, in der Defensive vor allem bei Standardsituationen patzte und in der Offensive auch mit der Einwechslung von Star Ebi Smolarek harmlos blieb. (apa/red)

27.3.2008 14:08
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